Transplantation
In den vergangenen Jahren hat die Transplantationsmedizin große Fortschritte gemacht. Spenderorgane können Leben retten und die Lebensqualität von schwerkranken Patienten erheblich verbessern. Wichtig sind dabei besondere Medikamente, die verhindern, dass ein gespendetes Organ vom Körper des Empfängers abgestoßen wird.
Wie wirken diese Medikamente und worauf sollten Menschen achten, die mit einem transplantierten Organ leben?
Was passiert bei einer Transplantation?
Wird ein Organ oder Gewebe entnommen und an anderer Stelle bzw. bei einem anderen Menschen wieder eingepflanzt, spricht man von einer Transplantation. In vielen Fällen brauchen kranke Menschen gespendete Organe um zu überleben (Herz, Leber, Lunge etc.), für andere bedeutet die Transplantation einen großen Gewinn an Lebensqualität.
Die am häufigsten durchgeführte Transplantation ist die der Niere. Als Organspender kommen Verwandte in Frage, am besten Zwillingsgeschwister, aber auch Menschen, die beispielsweise nach Unfällen gestorben sind.
Vor der Transplantation werden bei Spender und Empfänger bestimmte Zellmerkmale verglichen. Sie müssen übereinstimmen, damit der Körper des Empfängers das neue Organ nicht abstößt. Ähnlich wie bei Blutgruppen hat jede Zelle des Organismus eine Art persönliche Kodierung. Von den Übereinstimmungen dieser Kodierung hängt ab, ob Menschen sich als Spender und Empfänger für eine Transplantation eignen.
Was bedeutet Immunsuppression nach Transplantation?
Dass der Körper des Empfängers ein neues Organ abstoßen möchte, ist eigentlich eine gesunde Reaktion. Bei der Abstoßung werden die Mechanismen aktiviert, die den Körper vor Krankheitserregern und Fremdstoffen schützen. Auch ein Transplantat ist im Grunde ein solcher „Eindringling“.
Nach einer Transplantation muss daher die Körperabwehr teilweise unterdrückt werden – man spricht dabei von einer Immunsuppression. Sie macht es möglich, dass das transplantierte Organ im neuen Körper über viele Jahre arbeiten kann. Für die Immunsuppression stehen heute immer besser wirkende Medikamente (Immunsuppressiva) mit immer geringeren Nebenwirkungen zur Verfügung.
Ob eine Transplantation erfolgreich verläuft, liegt nicht nur in der Hand der Ärzte. Das Langzeitergebnis hängt vor allem davon ab, wie gut das Immunsystem des Transplantat-Empfängers, das sich gegen das fremde Organ wehrt, in Schach gehalten werden kann.
Für die Immunsuppression stehen heute immer besser wirkende Medikamente (Immunsuppressiva) mit geringeren Nebenwirkungen zur Verfügung.
Die Chance, ein passendes Organ mit entsprechenden Zellmerkmalen zu finden, ist umso größer, je mehr Menschen bereit sind, Organe zu spenden.
Ein Organspenderausweis hilft dabei. Er bescheinigt zu Lebzeiten, dass Sie im Falle eines Unfalltods z.B. ihre Organe spenden wollen – um das Leben anderer zu retten.
Wie äußert sich eine nicht ausreichende Immunsuppression?
Die häufigsten Komplikationen nach einer Transplantation sind Abstoßungskrisen – hervorgerufen durch eine nicht ausreichende Immunsuppression. Um diese Körperreaktion möglichst früh zu erkennen, werden nach Transplantationen regelmäßige Blutuntersuchungen durchgeführt. Nach einer Nierenverpflanzung ist beispielsweise der Kreatinin-Wert als Maßstab für die Nierenfunktion besonders wichtig.1–3
Mögliche Anzeichen für eine Abstoßungsreaktion
- Allgemeines „Unwohlsein“
- Fieber von über 38 °C; grippeähnliche Symptome: Schnupfen, Schmerzen, Müdigkeit, Kopfschmerz, Schwindelgefühl, Übelkeit, Erbrechen
- Schmerzen oder Druckgefühl am Transplantat
- Erhöhter Blutdruck bei mehreren Messungen
- Deutlicher Rückgang der Ausscheidungen, insbesondere in Verbindung mit einer Gewichtszunahme
- Deutliche Verfärbung des Harns (Dunkelfärbung), übel riechender Harn, Blut im Harn, Schmerz oder Brennen während des Harnlassens oder ständiger Harndrang
- Einlagerung von Wasser, geschwollene Beine und schwere Atmung
Wenn nach einer Transplantation Anzeichen einer Abstoßungsreaktion auftreten, sollten Sie sich sofort mit einem der behandelnden Ärzte in Verbindung setzen.
Je schneller ein Abstoßungsprozess erkannt wird, desto besser kann er behandelt werden.
Wie wird eine Organabstoßung nach Transplantation behandelt?
In den Transplantationszentren werden Kombinationstherapien mit unterschiedlichen Immunsuppressiva durchgeführt. Durch die Kombination verschiedener Präparate lassen sich im Idealfall die erwünschten abwehrschwächenden Eigenschaften erhöhen und gleichzeitig die Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen reduzieren.4 Die Kombination wird individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten zugeschnitten. In der Anfangsphase direkt nach einer Operation sind in der Regel höhere Dosen und mehr Medikamente nötig als in der Langzeittherapie.
Das Spektrum der aufgeführten immunsuppressiven Medikamente umfasst unterschiedliche Substanzen. Wichtige Wirkstoffe sind:
- Calcineurin-Inhibitoren
- Antimetabolite
- mTOR-Inhibitoren
- Antikörper
- Kortison
Was muss im Alltag beachtet werden?
Nach einer Transplantation sollte man ganz besonders auf Hygiene achten und sich häufiger die Hände gründlich waschen. Um die Infektionsgefahr so niedrig wie möglich zu halten, ist es außerdem ratsam, große Menschengruppen wie im Schwimmbad oder Kino zu meiden, kein rohes Fleisch oder rohen Fisch zu essen sowie sich von Tierexkrementen (Vogelkäfig oder Katzenklo) fern zu halten. Außerdem sollte man sich gesund ernähren, ausreichend bewegen, auf Zigaretten verzichten und vor allem darauf achten, sorgfältig und gewissenhaft die verschriebenen Medikamente einzunehmen.
Oberstes Gebot: Sorgfältige Medikamenteneinnahme
- Lassen Sie niemals eine Dosis des Immunsuppressivums aus und verändern Sie nicht die Dosis.
- Falls doch vergessen: Nehmen Sie keinesfalls die doppelte Menge ein, sondern fragen Sie den behandelnden Arzt um Rat.
- Wenn Sie unter den Nebenwirkungen der Medikamente leiden, wenden Sie sich an den behandelnden Arzt.
- Machen Sie keine eigenständige Medikamentenpause – insbesondere nicht in Phasen, in denen Sie sich sehr wohl fühlen. Ihr Körper könnte das Transplantat abstoßen.
- Notieren Sie Medikamente (Namen und Wirkstoffe) und heben Sie für den Notfall Medikamente in der Originalverpackung auf, um Verwechslungen zu vermeiden.
- Lagern Sie Arzneien kühl und achten Sie darauf, dass sie in ausreichender Menge vorrätig sind.
- Ändern Sie nicht die Begleitmedikation: der Immunsuppressiva-Blutspiegel kann sich verändern und das transplantierte Organ geschädigt werden.
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Referenzen
Pöge U et al. MDRD equations for estimation of GFR in renal transplant recipients. Am J Transplant 2005; 5:1306-1311
White C et al. Estimating glomerular filtration rate in kidney transplantation: a comparison between serum creatinine and cystatin C-based methods. J Am Soc Nephrol 2005; 16(12): 3763-70
Mendiluce A et al. Cystatin C as a marker of renal function in kidney transplant patients. Transplant Proc 2005; 37(9): 3844-7
Veroux M et al. Sirolimus-based immunosuppression in kidney transplantation for type 2 diabetic nephropathy. Urol Int 2010; 84(3): 301-4


