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29.09.2010
Chronische Schmerzen: unterschätzt, teuer, oft falsch behandelt
- Durch Mängel im Gesundheitswesen werden 12 Millionen Deutsche mit chronischen Schmerzen ausgebremst
- Neue Daten belegen: Chronische Schmerzen sind im Durchschnitt für den täglichen Verlust von drei Arbeitsstunden pro Arbeitnehmer verantwortlich
Mehr als 129 Millionen Europäer leiden an chronischen Schmerzen, in Deutschland sind es rund 12 Millionen Menschen. Die meisten (84 Prozent) möchten aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben, fühlen sich aber durch ihre Erkrankung daran gehindert. Gleichzeitig gab ein Drittel der befragten deutschen Patienten an, dass ihre Schmerzen von ihrem Umfeld häufig in Frage gestellt werden. Einem Viertel der Betroffenen wurde bereits mindestens einmal vorgeworfen, die Schmerzen als Ausrede zu nutzen, um nicht arbeiten zu müssen.
Das ergab eine neue Studie im Auftrag des europäischen Projekts „Weißbuch Schmerz“ (Pain Proposal). Beim europäischen Weißbuch Schmerz handelt es sich um einen Konsensusreport zur Versorgungssituation von Schmerzpatienten. Der Report entstand auf Initiative des Unternehmens Pfizer in Zusammenarbeit mit über 50 Experten aus ganz Europa, unter anderem Vertreter von Patientenorganisationen, Ärzte und Gesundheitsexperten.
Ein Ergebnis des Reports: Chronische Schmerzen, vor allem wenn sie nicht richtig behandelt werden, wirken sich deutlich negativ auf die Arbeit und das Arbeitsumfeld von Schmerzpatienten aus. So haben 50 Prozent der Befragten den Eindruck, dass ihre Erkrankung Auswirkungen auf ihren Beschäftigungsstatus hat. 18 Prozent der Patienten mit chronischen Schmerzen sind aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht in der Lage, zu arbeiten. Ein Drittel gibt an, dass die chronischen Schmerzen sie daran hindern, ihre berufliche Karriere zu verfolgen, und ein weiteres Drittel befürchtet sogar, den Arbeitsplatz zu verlieren.
„Es ist falsch anzunehmen, dass Menschen mit chronischen Schmerzen nicht arbeiten können oder wollen. Viele Schmerzpatienten sind produktive, talentierte und engagierte Mitarbeiter mit den gleichen Hoffnungen und Ambitionen wie Menschen ohne chronische Schmerzen. Sie sollten nicht durch ihre Erkrankung eingeschränkt werden”, so Prof. Thomas Kohlmann von der medizinischen Fakultät der Universität Greifswald, deutscher Schmerzexperte und Co-Autor des deutschen Weißbuchs Schmerz. „Doch das Sozial- und Gesundheitssystem versagt bei vielen Menschen mit Schmerzen und hindert sie daran, sich im Arbeitsleben voll zu entfalten.”
Dr. Reinhard Sittl, leitender Oberarzt am Schmerzzentrum der Universitätsklinik Erlangen, ergänzt: „Viele Patienten warten bis zu fünf Jahre auf eine Diagnose oder eine Feststellung der Ursache ihrer Schmerzen, zahlreiche Betroffenen erhalten nie eine wirksame Schmerztherapie.1,2 Ohne die richtige Therapie können chronische Schmerzen einen Menschen lähmen und daran hindern, aktiv am Leben teilzunehmen. Dies kann zu einer Abwärtsspirale führen und die Gesellschaft um einen wertvollen Beitrag bringen.”
Der Report zeigt unter anderem eindrucksvoll auf, dass die Behandlung der Schmerzpatienten deutlich verbessert werden könnte. So betont ein Fünftel der Befragten, dass ihre Schmerzen nur unzureichend beziehungsweise nicht angemessen behandelt werden. Darüber hinaus belastet der lange Zeitraum bis zur richtigen Diagnosestellung die Patienten erheblich. Das geht einher mit häufigen Arztbesuchen und Problemen bei den Überweisungen. All dies hat enorme Auswirkungen auf Gesundheit, Arbeitskraft und die Teilhabe am Arbeitsleben.
Neben der Beschreibung der Versorgungssituation enthält das europäische Weißbuch Schmerz wichtige Empfehlungen, die zur Verbesserung der Situation von Schmerzpatienten beitragen können:
- Anerkennung der Probleme, die durch chronische Schmerzen verursacht werden, und der Versuch, eine Änderung herbeizuführen
- Verteidigung der Rechte von Menschen mit chronischen Schmerzen
- Aufnahme der Schmerzdiagnostik und -therapie als Pflichtfach in die Aus- und Weiterbildung der Ärzte
- Verstärkte Förderung und Ausweitung integrierter
- Versorgungskonzepte und der Schmerzforschung
- Aufbau und Bereitstellung einer flächendeckenden Versorgungsstruktur
- Angemessene Typisierung von chronischen Schmerzen innerhalb der internationalen Klassifizierung von Krankheiten (ICD)
- Koordinierte Zusammenarbeit zur Verbesserung der Diagnose und der Behandlung von Schmerzpatienten in ganz Europa
Chronische Schmerzen zählen in Deutschland zu einem der herausfordernsten Gesundheitsprobleme. Die hohen Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Diagnostik und Therapie chronischer Schmerzen treffen auf eine starke sektorale Trennung der Behandlungsabläufe. So fehlt sehr oft die erforderliche Abstimmung in der Diagnostik und der Therapie zwischen den behandelnden Ärzten – Fehlinformationen und ineffektive Behandlungsabläufe sind die kostentreibenden Folgen.
„Obwohl die deutsche Schmerzforschung international anerkannt ist und sich die Patientenversorgung besser als in manchen anderen Ländern entwickelt hat, erhält doch ein erheblicher – wenn nicht gar der größte – Teil der betroffenen Patienten nach wie vor keine adäquate Behandlung“, sagt Professor Dr. Dr. Thomas R. Tölle, Geschäftsführender Oberarzt des Zentrums für Interdisziplinäre Schmerztherapie am Klinikum rechts der Isar in München.
„Die europäischen Sozialsysteme werden langfristig die Kosten für chronische Schmerzen nicht weiter tragen können, so liegen in Deutschland beispielsweise die indirekten Kosten chronischer Schmerzen durch Arbeitsausfälle oder Frühverrentungen bei 28 Milliarden Euro pro Jahr”, erklärt Andrea Fischer, ehemalige Bundesministerin für Gesundheit. „Es gibt Maßnahmen, mit denen wir die derzeitigen Abläufe verbessern und den Menschen dabei helfen können. Wir glauben, dass dieses Ziel realisierbar ist, wenn alle Beteiligten besser zusammenarbeiten.”
Über das europäische „Weißbuch Schmerz“:
- Das Weißbuch Schmerz (Pain Proposal) soll die persönlichen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen von chronischen Schmerzen auf die europäische Bevölkerung verdeutlichen. Das Projekt zielt darauf ab, Probleme, Schwächen und Herausforderungen im derzeitigen Schmerzmanagement hervorzuheben, Empfehlungen für eine bessere Gesundheitsversorgung abzugeben und so die derzeit verfügbaren Mittel effektiver zu nutzen.
- Das Projekt wurde von einem Lenkungsausschuss hochrangiger europäischen Experten aus den Bereichen der chronischen Schmerztherapie sowie Politik und Wirtschaft gesteuert. Der Ausschuss hielt im Januar 2010 ein erstes Treffen ab.
- Im Juli 2010 hielt der Lenkungsausschuss eine Versammlung des Exekutivausschusses ab, bei der 50 Experten aus 15 europäischen Ländern zusammenkamen, um über die notwendigen Schritte zur Verbesserung der Behandlung chronischer Schmerzen zu beraten.
- Die Ergebnisse wurden in einem europäischen Konsensusbericht, dem Pain Proposal European Consensus Report, zusammengetragen. Medizinische Autoren verfassten den Bericht, in Abstimmung mit dem Lenkungsausschuss und Pfizer.
- Die Mitglieder des Exekutivausschusses entwickelten in jedem teilnehmenden Land auch individuelle Situationsanalysen der einzelnen Länder.
- Zu den Mitgliedern des Lenkungs- und Exekutivausschusses zählen Patientengruppen, Kliniker, Gesundheitsökonomen und Politikexperten.
- Zu den deutschen Experten des Pain-Proposal-Projekts gehören Andrea Fischer, Prof. Dr. Wolfgang Greiner, Harry Kletzko, Prof. Thomas Kohlmann, Dr. Reinhard Sittl und Prof. Dr. Dr. Thomas R. Tölle.
- Pfizer arbeitete sowohl mit dem Lenkungs- als auch mit dem Exekutivausschuss zusammen, um das Projekt zu unterstützen. Ein führendes Mitglied des Schmerzteams von Pfizer nahm am Lenkungsausschuss teil und beteiligte sich als gleichberechtigter Partner. Die Versammlungen des Lenkungs- und Exekutivausschusses wurden von Pfizer finanziell unterstützt.
Über die Forschung
- Die Studie, die im Rahmen des Konsensreports in Auftrag gegeben wurde, wurde im August und September 2010 durch InSites Consulting durchgeführt und umfasste 2.019 Patienten mit chronischen Schmerzen und 1.472 Allgemeinärzte aus 15 europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz und Spanien).
- In Deutschland wurden 201 Schmerzpatienten und 100 Allgemeinärzten befragt.
- Die Studie gibt einen aktuellen Überblick darüber, inwiefern chronische Schmerzen das Leben von jedem fünften Erwachsenen in Europa derzeit beeinträchtigen.1,2
Chronische Schmerzen – die Fakten:
- Unter chronischen Schmerzen werden Schmerzen verstanden, die länger als drei Monate andauern.
- Chronische Schmerzen können in verschiedenen Körperbereichen auftreten. Am häufigsten betroffen ist jedoch der Rücken, gefolgt vom Nacken-, Gelenk- und Kopfbereich.
- Jeder fünfte erwachsene Europäer leidet unter chronischen Schmerzen – das sind etwa 129 Millionen Menschen in Europa.1,2
- In Deutschland sind etwa 12 Millionen Menschen betroffen.2,3
- Bestimmte Erkrankungen wie Arthritis, Krebs, Diabetes und Multiple Sklerose (MS) werden häufiger mit chronischen Schmerzen assoziiert.
Quellen
- International Diabetes Federation. Diabetes Atlas. 2010.
www.diabetesatlas.org/content/europe. Last accessed July 2010. - Breivik H et al. Survey of chronic pain in Europe: Prevalence, impact on daily life, and treatment. European Journal of Pain 2006:10; 287-333.
- Bundestagsdrucksache 15/2295, 22.12.2003.
- InSites Consulting. Pain Proposal Patient Survey. August – September 2010 (Conducted in 2,019 people with chronic pain across 15 European counties. Funded by Pfizer Ltd.)
- Phillips CJ. Economic burden of chronic pain. Expert Rev Pharmacoeconomics Outcomes Res 2006: 6: 591-601
- PACE. Pain Parallels Report. 2006. PACE is an educational programme initiated and funded by Pfizer Ltd.
Kontakt und weitere Informationen:
Pfizer Deutschland GmbH
Unternehmenskommunikation
Thomas Biegi
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