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29.06.2010
Fakten zur klinischen Studie zu Trovan 1996 in Nigeria
Im ersten Halbjahr 1996 setzte in Nigeria die schwerste Meningokokken-Meningitis-Epidemie ein, die es in der Geschichte des Landes jemals gegeben hatte. Die Epidemie, von der über einen Zeitraum von sechs Monaten nahezu 110.000 Menschen betroffen waren und die fast 12.000 Menschen das Leben kostete, stellte für die nigerianische Regierung eine schwere Krise im Bereich der öffentlichen Gesundheit dar.
Vor diesem Hintergrund schlug Pfizer vor, in Nigeria eine klinische Studie zu Trovan durchzuführen. Das Ziel des Unternehmens war es, dem Land ein lebensrettendes, innovatives, kostenwirksames und in der Anwendung weniger schmerzhaftes Antibiotikum zur Verfügung zu stellen, mit dem sich die epidemische Meningokokken-Meningitis auch bei Kindern wirksam behandeln ließ.
Vor der Einleitung der Trovan-Studie in Kano beantragte Pfizer bei den zuständigen Behörden auf bundesstaatlicher und nationaler Ebene sämtliche erforderlichen Genehmigungen und erhielt diese auch. In diesem Zusammenhang kann Pfizer mindestens zwölf Schreiben – Korrespondenz zwischen dem Unternehmen und der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration), der nigerianischen Arzneimittelbehörde NAFDAC (National Agency for Food and Drug Administration and Control), dem nigerianischen Gesundheitsministerium und dem nigerianischen Finanzministerium – vorlegen, in denen die Studie erörtert und genehmigt wird.
Pfizer hat die Studie in Kano nach dem damals aktuellsten medizinischen Kenntnisstand durchgeführt und stets im Interesse der circa 200 an der Studie teilnehmenden Kinder gehandelt. Etwa die Hälfte dieser Kinder wurde mit Trovan behandelt, die andere Hälfte mit dem Goldstandard Ceftriaxon.
Die Patienten, die an der Trovan-Studie teilnahmen, wiesen zum Zeitpunkt des Behandlungsbeginns bereits schwere Meningitis-Symptome auf. Es ist bestens belegt, dass eine fortgeschrittene Meningitis zu Hirnschädigungen, zum Koma und zum Tod führen kann. Sämtliche vorliegenden klinischen Daten deuten darauf hin, dass alle im Rahmen der klinischen Studie zu Trovan aufgetretenen Todesfälle direkt auf die Erkrankung zurückzuführen sind und nicht auf die Behandlung, die die Patienten erhielten.
Die Studienergebnisse belegen eindeutig, dass Trovan dazu beigetragen hat, Leben zu retten. Die Überlebensrate unter der Behandlung mit Trovan war mindestens genauso hoch wie unter der besten Therapie, die am Infectious Disease Hospital (IDH) in Kano verfügbar war.
Zum Zeitpunkt der Durchführung der klinischen Studie in Kano befand sich Trovan in der Spätphase der klinischen Entwicklung und hatte bereits in den Vereinigten Staaten und in Europa klinische Prüfungen mit mehr als 5.000 Patienten durchlaufen, und zwar sowohl in der oralen als auch in der intravenösen Darreichungsform. Die präklinischen Studien belegten die Wirksamkeit von Trovan gegen verschiedene Bakterienstämme, von denen bekannt ist, dass sie eine Meningitis hervorrufen. Trovan wies präklinisch eine hervorragende Aktivität gegen alle Erreger der Meningitis auf. Zudem konnte gezeigt werden, dass Trovan sehr gut in den Liquor cerebrospinalis übergeht, was notwendig ist, um die Krankheit wirksam zu bekämpfen.
Die Trovan-Studie wurde den Eltern und Erziehungsberechtigten der Patienten detailliert auf Hausa – der lokal gesprochenen Sprache – erläutert. Dabei wurde auch auf die Freiwilligkeit der Teilnahme hingewiesen. Vor der Aufnahme eines Patienten in die Studie wurde eine mündliche Einwilligungs¬erklärung eingeholt. Die Eltern und Erziehungsberechtigten wurden zu keinem Zeitpunkt von den Kindern getrennt.
Die Ergebnisse der in Kano durchgeführten Studie belegen auch die Wirksamkeit des Vergleichspräparats Ceftriaxon in den verabreichten Dosierungen. Die ersten mit Ceftriaxon behandelten Kinder erhielten das Präparat fünf Tage lang in einer Dosierung von 100 mg/kg. Die meisten Kinder der Ceftriaxon-Gruppe erhielten allerdings 100 mg/kg am ersten Tag, gefolgt von jeweils 33 mg/kg pro Tag an den vier darauffolgenden Tagen. Auf diese Weise wurden unnötige Schmerzen bei der Injektion vermieden; die Dosis war aber immer noch um ein Vielfaches höher als für die Abtötung der Meningokokken erforderlich. Die applizierte Menge Ceftriaxon war selbst in der reduzierten Dosierung immer noch rund 620-mal so hoch wie die für die Eliminierung der Meningitisbakterien erforderliche Dosis. Die Überlebensrate von rund 94 Prozent unter den Kindern spricht für die Wirksamkeit des Vergleichspräparats Ceftriaxon in den angewendeten Dosierungen. Eine im Jahr 2003 von Ärzte ohne Grenzen durchgeführte klinische Studie zu Ceftriaxon bestätigt, dass die epidemische Meningokokken-Meningitis bereits mit einer Gesamtdosis von 100 mg/kg wirksam behandelt werden kann – dies entspricht einer deutlich niedrigeren Gesamtdosis als in der Trovan-Studie in Nigeria. Trovan selbst wurde in einer Dosierung von 3 mg/kg über einen Zeitraum von fünf Tagen verabreicht (entweder intravenös oder peroral). Die orale Bioverfügbarkeit von Trovan liegt bei rund 90 Prozent. Das bedeutet, dass jedes Kind, das in der Lage war zu schlucken, eine vielfach höhere Dosis Trovan erhielt als für die Abtötung der Bakterien erforderlich.
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