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Aktionsbündnis fordert bessere Therapie gegen Chronische Schmerzen

- Die Partner und Träger der Initiative “Wege aus dem Schmerz” präsentieren die vier Kernforderungen (v.l.n.r.: Prof. Dr. Rolf-Detlef Treede, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes; Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie; PD Dr. Michael Überall, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie; Dominique Döttling, Vizepräsidentin der Deutschen Schmerzliga).
Wer unter Chronischen Schmerzen leidet, muss um seinen Alltag kämpfen. Mehr Freiheit im Alltag – lautet deshalb eine zentrale Forderung der Initiative „Wege aus dem Schmerz“, die am 26. November in Hamburg vorgestellt wurde. Das Bündnis der Deutschen Schmerzliga (DSL), der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) und der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) engagiert sich mit Unterstützung von Pfizer für eine Krankheit, die zu den größten Gesundheitsproblemen in Deutschland zählt: Chronischer Schmerz. Zehn bis zwanzig Prozent aller Bundesbürger sind von ihr betroffen – etwa zwölf Millionen Menschen.
„Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass Schmerz nur ein Symptom einer Krankheit ist. Chronische Schmerzen können sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickeln“, sagt Dr. Marianne Koch, Präsidentin der Deutschen Schmerzliga. Chronische Schmerzen seien eine vielschichtige Krankheit und verlangten eine passgenaue Therapie. Deshalb bräuchten Ärzte Wissen um das Problem, Verständnis für seine Behandlung – und Zeit, um Patienten ausreichend zu betreuen. „Das gegenwärtige Gesundheitssystem erschwert es Ärzten, auf chronisch kranke Patienten einzugehen. Ihre Vergütung muss sich am Erfolg einer Behandlung orientieren, nicht nur an den erbrachten Maßnahmen. Diese Effizienz im Gesundheitssystem macht sich nicht nur für die betroffenen Patienten bezahlt, sondern auch für das deutsche Gesundheitssystem und die gesamte Volkswirtschaft.“
Chronische Schmerzen verursachen in Deutschland jährlich Kosten in Höhe von 38 Milliarden Euro, davon entstehen allein 28 Milliarden durch Arbeitsunfähigkeit und vorzeitige Berentungen. Mit einer breit angelegten Kampagne will die Initiative „Wege aus dem Schmerz“ das Thema Chronischer Schmerz auf die öffentliche Agenda setzen. Bundesweite Aktionen sowie Diskussionen mit Betroffenen und Entscheidern sollen die Gesellschaft über die Bedeutung der Krankheit aufklären.
Bislang in Deutschland unveröffentlichte Zahlen über das Krankheitsbild Schmerz
Untersuchungen für das Europäische Weißbuch Schmerz (Pain Proposal) ergaben: 43 Prozent der Patienten mit Chronischen Schmerzen müssen hierzulande länger als ein Jahr warten, bis ihre Diagnose gestellt und eine geeignete Therapie eingeleitet wird - bei vielen dauert es bis zu fünf Jahre oder länger. Ein weiteres großes Problem ist die Integrierte Versorgung. Obwohl es in Deutschland funktionierende Versorgungsmodelle gibt, fehlt ihre Anwendung im ambulanten Bereich. Dadurch konsultieren viele Patienten über Jahre hinweg Ärzte verschiedener Fachrichtungen, ohne eine adäquate Hilfe zu bekommen. 19 Prozent der Betroffenen sind der Meinung, dass ihre Schmerzen nicht angemessen behandelt werden. Das liegt mitunter an der fehlenden Qualifikation vieler Ärzte. Es gibt in Deutschland keinen Facharzt für Schmerztherapie. Folglich - auch das ergaben die Untersuchungen - sind sich 48 Prozent der Allgemeinmediziner nicht sicher, was zu tun ist, wenn ein Patient trotz ihrer Behandlung längere Zeit über Schmerzen klagt.
Nur eine angemessene Behandlung kann die Chronifizierung von Schmerzen vermeiden
Werden akute Schmerzen falsch behandelt, können sie chronisch werden. Die richtige Akuttherapie kann erwiesenermaßen eine Chronifizierung von Schmerzen verhindern. Durch falsche Therapiekonzepte resignieren viele Patienten. Sie zweifeln aufgrund ihrer schlechten Erfahrung daran, dass es wirksame Behandlungsmethoden für ihre Beschwerden gibt. Chronische Schmerzen haben direkte Folgen für das familiäre und soziale Umfeld Betroffener und erhebliche Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden. 21 Prozent der Befragten fühlen sich aufgrund der Schmerzen sozial isoliert. Jeder zweite Chronische Schmerzpatient sagt, dass die Krankheit direkte Auswirkungen auf seinen Beschäftigungsstatus hat. 18 Prozent der Patienten sind aufgrund ihres Gesundheitszustands überhaupt nicht in der Lage zu arbeiten. 47 Prozent sorgen sich über den Einfluss, den die Schmerzen auf ihre Beziehungen zu anderen Menschen haben, und 39 Prozent sind der Ansicht, dass sich ihre Schmerzen negativ auf Familie und Freunde auswirken.
Bei der Auftaktveranstaltung wurde deutlich, dass die Zahlen aus dem Europäischen Weißbuch Schmerz sich mit der konkreten Situation unmittelbar Betroffener decken. Drei Patienten schilderten ihren Alltag und ihren „Freiheitskampf“ gegen den Schmerz. Heike Norda, die seit mehr als 20 Jahren an Chronischen Schmerzen leidet, sagte: „Wie so viele andere Schmerzpatienten auch, musste ich erst einmal sämtliche Fachrichtungen abklappern, bis ich endlich einen Spezialisten fand, der mich und meine Schmerzen ernst nahm. Von einigen Menschen in meiner Umgebung hörte ich in dieser Zeit den Kommentar: Man sieht ja gar nichts.”
Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierten die Partner ihre Forderungen: Chronische Schmerzen bedürften erstens mehr Aufmerksamkeit. Zweitens müssten sie als Krankheit anerkannt werden. Drittens verlange Schmerz von Anfang an eine gezielte Behandlung. Und viertens: Im Mittelpunkt stehe der chronisch schmerzkranke Mensch.
Mehr Informationen unter: www.wegeausdemschmerz.de
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