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Nikotinsucht und Rauchentwöhnung

Der europäische EQUIPP-Report empfiehlt Maßnahmen für eine wirksamere Bekämpfung der Nikotinabhängigkeit in Deutschland.

Deutschland ist wieder Europameister. Ein Grund zum Jubeln ist der Titel in diesem Fall leider nicht, denn Deutschland ist Europameister im Rauchen. 20,6 Millionen Menschen greifen hierzulande regelmäßig zur Zigarette – mehr als in Frankreich (18,6 Millionen), England (14,7 Millionen) oder Italien (13,4 Millionen).

Infografik: Raucher in Europa

Aktuelle Daten rund um den Nikotinkonsum in Europa enthält der Mitte März erschiene EQUIPP-Report. „Europe Quitting: Progress and Pathways“ – unter diesem Titel gibt der Report einen Überblick über Maßnahmen zum Nichtraucherschutz und zur Bekämpfung der Nikotinsucht in 20 europäischen Ländern. Deutlich wird dabei, dass Deutschland im internationalen Vergleich aus verschiedenen Gründen schlecht abschneidet. Die in den letzten Jahren eingeführten Nichtraucherschutzgesetze werden durch zahlreiche Ausnahmeregelungen ausgehebelt. Zudem fehlt weiterhin ein bundesweit gültiges Gesetz für ein umfassendes Rauchverbot in der Öffentlichkeit. Hinzu kommt, dass eine medizinische Behandlung der Nikotinabhängigkeit vom deutschen Gesundheitssystem nicht unterstützt wird – anders als beispielsweise in England. „Die Ergebnisse sind im europäischen Vergleich bedauerlich“, sagt Dr. Thomas Hering, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Pneumologen. „Offenbar muss gerade hier in Deutschland noch sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.“

Diese Überzeugungsarbeit ist umso dringlicher, weil Deutschland sich schon 2003 zur Umsetzung einer internationalen Richtlinie verpflichtet hat, die unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgearbeitet wurde. Die Richtlinie „Framework Convention on Tobacco Control” (FCTC) enthält einen umfangreichen Katalog von Maßnahmen gegen die Nikotinsucht: von Information und Prävention über die Schulung von Mitarbeitern des Gesundheitswesens bis hin zur Entwicklung einer nationalen Rauchentwöhnungsstrategie und ihrer systematischen Umsetzung. Zudem werden die Unterzeichnerstaaten aufgefordert, eine Entwöhnungstherapie zu gewährleisten, die für die breite Bevölkerung zugänglich und bezahlbar sein soll.

Die FCTC ist der weltweit erste internationale Vertrag im Gesundheitswesen und gehört zu den am breitesten anerkannten Vertragswerken in der Geschichte der Vereinten Nationen. 172 von 192 WHO-Mitgliedstaaten haben die Richtlinie ratifiziert und sich damit verpflichtet, die Bestimmungen des Vertrages umzusetzen. Die breite Akzeptanz der Anti-Nikotin-Konvention ist darauf zurückzuführen, dass Tabak in vielen Ländern heute als häufigste vermeidbare Todesursache gilt. Weltweit ist Tabakkonsum jedes Jahr für den Tod von schätzungsweise mehr als fünf Millionen Menschen verantwortlich. Allein in Deutschland wird die Zahl der tabakbedingten Todesfälle pro Jahr auf 110.000 bis 140.000 beziffert.

Trotzdem hapert es an der Umsetzung der Richtlinien zur Eindämmung des Tabakkonsums, so die Bilanz des EQUIPP-Reports. In Deutschland raucht jeder vierte Mensch über 15 Jahren regelmäßig. Die Empfehlungen des Reports verfolgen das Ziel, die Infrastruktur zur Rauchentwöhnung zu verbessern und zu gewährleisten, dass Raucher auf dem Weg in ein nikotinfreies Leben professionelle Unterstützung finden. Unterschiedliche Studien zur Tabakentwöhnung haben gezeigt, dass die Erfolgsaussichten größer sind, wenn Raucher beim Entzug von Ärzten begleitet und unterstützt werden.

Der Report greift die Vorgaben der WHO-Rahmenkonvention FCTC auf und empfiehlt Maßnahmen für eine Umsetzung in den europäischen Ländern. Zu den aktuellen Empfehlungen für Deutschland gehören unter anderem ein allgemeines Rauchverbot in der Öffentlichkeit, die  Erstattung von Rauchentwöhnungsprogrammen und -therapien sowie die Aufnahme der Rauchentwöhnung in die Ausbildung von Medizinstudenten und medizinischem Fachpersonal.

Mehr zum Equipp-Report in einem Fernsehbeitrag von tv.berlin

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Zuletzt aktualisiert: 07.04.2011