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22.06.2010

Forschung

Auf der Suche nach den Arzneimitteln der Zukunft

Große oder kleine Moleküle? Diese Frage spielt bei der Herstellung von Arzneimitteln eine wichtige Rolle. Traditionell bestehen die Wirkstoffe von Medikamenten aus kleinen Molekülen, die im Labor „gebaut“ und später meist als Tablette verabreicht werden. Doch seit einiger Zeit vollzieht sich in der Entwicklung und Herstellung von Wirkstoffen und Medikamenten ein Wandel. Immer mehr neue Präparate basieren auf großen Molekülen, in denen sich Aminosäuren zu Proteinen, Antikörpern oder Peptiden verbinden.

Diese neuen Biotherapeutika, die auch Biopharmazeutika, Biologika oder Biologicals genannt werden, sind eine zunehmend wichtige Medikamentenklasse mit hohem therapeutischem Potenzial und besonderen Eigenschaften. Ihr spezieller Charakter liegt in ihrer Entstehung begründet. Produziert werden die biopharmazeutischen Wirkstoffe von so genannten rekombinanten Zellen - also von organischen Zellen, deren Gene für die Produktion der gewünschten Wirkstoffe verändert wurden. Benutzt werden dazu beispielsweise Hefezellen, Bakterien oder auch bestimmte Zelllinien von Säugetieren.

Von den klassischen Arzneimitteln unterscheiden sich die neuen Biotherapeutika nicht nur im Hinblick auf ihre Herstellung. Ein anderer, für den Patienten sichtbarer Unterschied ist die Darreichungsform. Biotherapeutika werden nicht als Tablette verabreicht, sondern als Injektion oder Infusion. Was die biopharmazeutischen Substanzen außerdem kennzeichnet, ist ihre besonders hohe Wirksamkeit. Sie können zielgenau in körpereigene Prozesse eingreifen, lassen sich auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten abstimmen und ermöglichen eine besonders zielgerichtete Behandlung. Deshalb gelten Biologika als eines der wichtigsten Zukunftsfelder der Medizin mit einer breiten Palette von Anwendungsmöglichkeiten – von Krebs über Alzheimer und Parkinson bis hin zu Autoimmunkrankheiten oder seltenen Erkrankungen, die bislang nur schwer behandelbar sind.

Bei Pfizer gehört die Entwicklung von innovativen Biotherapeutika zu den aktuellen Schwerpunkten der Forschung. Durch die Wyeth-Integration ist Pfizer zu einem der weltweit führenden Biopharma-Unternehmen geworden. „Wir sind gut aufgestellt, um eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung der nächsten Generation viel versprechender Arzneimittel einzunehmen“, sagt Mikael Dolsten, der Präsident der weltweiten Pfizer-Foschung. Die Pfizer-Pipeline enthält eine Vielzahl von aussichtsreichen Wirkstoffkandidaten. Das Portfolio der biologischen Arzneimittel in der Entwicklung hat sich 2009 von 16 auf 27 erweitert und umfasst zudem sechs Impfstoffe.

In der Geschichte der Medizin sind die Biotherapeutika ein junges Thema, das sich in den letzten Jahren rasant entwickelt hat. Der Startschuss für diese Erfolgsgeschichte fiel vor knapp 30 Jahren. Das erste Biopharmazeutikum war 1982 ein Humaninsulin, das aus gentechnisch veränderten Bakterien gewonnen wurde. Seine Entwicklung basierte auf damals neuen Erkenntnissen in der Gentechnik und auf den Fortschritten der Biotechnologie, die in den 1970er Jahren erzielt wurden – insbesondere bei der Synthese menschlicher Proteine.

Heute sind biotechnologisch hergestellte Arzneimittel aus vielen Bereichen der Medizin nicht mehr wegzudenken. Weit über 130 Biotherapeutika werden erfolgreich zur Behandlung vieler Erkrankungen eingesetzt – unter anderem gegen verschiedene Arten von Krebs oder auch gegen entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis. Und schon bald dürften weitere Präparate und Anwendungen hinzukommen. Etwa ein Viertel des gesamten Arzneimittelmarktes, so die Schätzung von Experten, wird in Zukunft auf Medikamente biotechnologischen Ursprungs entfallen. Viele neue Präparate sind bereits in greifbarer Nähe. Nach einer Angabe des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) befinden sich derzeit weit über 400 Biopharmazeutika in klinischen Tests oder schon im Zulassungsverfahren.


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Zuletzt aktualisiert: 05.07.2010