Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.

„Wir müssen alle Kräfte mobilisieren, um das Impftempo zu beschleunigen.“

Seit dem Startschuss für die Corona-Schutzimpfungen in Hausarztpraxen ist im Impfgeschehen eine neue Dynamik zu beobachten. Wie können wir das Momentum halten, wenn die Zahl der verfügbaren Dosen in den nächsten Wochen weiter rapide ansteigt?

Seit dem Startschuss für die Corona-Schutzimpfungen in Hausarztpraxen ist im Impfgeschehen eine neue Dynamik zu beobachten. Am vergangenen Donnerstag etwa wurde mit 719.000 Impfungen ein neuer deutscher Tagesrekord aufgestellt, und auch die aktuellen Wochenend-Werte im Impfdashboard sind beeindruckend. Doch wie können wir das Momentum halten, wenn die Zahl der verfügbaren Impfstoffdosen in den nächsten Wochen weiter rapide ansteigt?

Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass im April 15 Millionen Dosen Impfstoff in Deutschland verfügbar sein werden.
Im zweiten Quartal sind es 70 Millionen. Es ist absehbar, dass die Impfzentren und sogar die Hausarztpraxen bei dieser Größenordnung an ihre Grenzen kommen. Daher brauchen wir jetzt die notwendige Infrastruktur, um die verfügbaren Dosen möglichst effektiv einzusetzen und niedrigschwellige Impfangebote zu bieten.

Es mangelt nicht an guten Beispielen: US-Präsident Joe Biden zeigt, wie eine effektive Mobilisierung aussehen kann. In New York können sich Menschen jeden Tag rund um die Uhr impfen lassen, auch in der Apotheke um die Ecke, in Sportstadien und in Schulen. Es werden keine Pausen eingelegt. Unterschiedliche ExpertInnen sind in die Impfungen eingebunden und es wird ein Tagesrekord nach dem nächsten geknackt: Am Sonntag waren es laut dem Weißen Haus 4,6 Millionen Impfungen.

Derweil sortieren wir uns in Deutschland noch und diskutieren, wie wir die Aufgaben verteilen. Wir möchten vielleicht etwas zu genau vorgehen. „Geschwindigkeit schlägt Perfektion“, das hat Mike Ryan, Direktor für Notfallmanagement der WHO, bereits Mitte März 2020 aus seiner langjährigen Erfahrung mit Ebola berichtet. „Perfekt ist der Feind von Gut in Sachen Katastrophenmanagement." Beherzt anpacken und keine Angst vor Fehlern haben – genau da müssen wir jetzt hinkommen.

Das Impfmanagement in Deutschland muss schneller und flexibler werden, damit wir im Kampf gegen die Pandemie einen dringend notwendigen Vorsprung gewinnen können.

Ein wichtiger Aspekt ist die Einbindung von Fach- und BetriebsärztInnen, und auch ApothekerInnen, in die Corona-Schutzimpfung.

  • Viele Unternehmen sind bereit, ihre MitarbeiterInnen zu impfen. Der Vorteil: Sie genießen das Vertrauen ihrer Belegschaft, bieten einen niedrigschwelligen Zugang und haben oft jahrelange Erfahrung im Aufsetzen von Impfprogrammen. Sowohl die notwendige Bereitschaft als auch die Infrastruktur wären also vorhanden – dieses Potenzial sollte man nicht liegen lassen.
  • In Italien können sich Menschen seit Kurzem in Apotheken gegen Covid-19 impfen lassen. Selbst die weniger komplexe Grippeimpfung, die in Ländern wie Frankreich und der Schweiz schon seit einigen Jahren in Apotheken möglich ist, wird hierzulande noch in Modellprojekten evaluiert. Das Masernschutzgesetz, auf dem die Projekte fußen, erlaubt solche Ansätze. Es gibt jedoch keinen rechtlichen Rahmen für reguläre und flächendeckende Impfungen in der Apotheke.

Die vielen verfügbaren Impfstoffdosen sind eine reale Chance, im Kampf gegen die Pandemie einen großen Schritt voranzukommen. Wir müssen jetzt alle Kräfte mobilisieren und das Tempo beschleunigen, um diese Chance auch ergreifen zu können.