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„Ich habe nie daran gezweifelt, dass Frauen das Gleiche tun können wie Männer.“

Seit mehr als hundert Jahren wird am 8. März weltweit auf Frauenrechte, Gleichberechtigung und bestehende Diskriminierung aufmerksam gemacht. Das Motto der UN für den diesjährigen Weltfrauentag lautet ‚Break the Bias‘ – Stoppt die Voreingenommenheit.

Als Berlin vor drei Jahren den internationalen Frauentag zum gesetzlichen Feiertag erklärt hat, gab es gemischte Reaktionen. Nicht etwa, weil man den Menschen in der Hauptstadt keinen zusätzlichen freien Tag gegönnt hätte, denn die sind in Berlin ohnehin weniger als im Rest des Landes. Vielmehr wandten kritische Stimmen ein: Braucht es das, heute, im 21. Jahrhundert? Ich sage: Unbedingt!

Ich weiß, wovon ich spreche. Ich bin in Istanbul geboren und aufgewachsen, die Gesellschaft meiner Kindheit und Jugend war von patriarchalischen Strukturen geprägt. Als ich in den 90er Jahren bei Pfizer in der Türkei ins Berufsleben gestartet bin, war das eine ziemliche ‚Men’s World‘, mit deutlich mehr Männern und somit auch deutlich weniger weiblichen und diversen Vorbildern, die mir als junger Frau hätten Orientierung bieten können. Dennoch habe ich nie daran gezweifelt, dass Frauen exakt das Gleiche tun können wie Männer. 

Heute stehe ich als Managerin, als Türkin, als Mutter an der Spitze von Pfizer in Deutschland und möchte vor allem eins: ein Vorbild sein. Ich möchte andere inspirieren, an sich zu glauben. Sie ermuntern, an ihren Träumen festzuhalten – egal, was andere sagen. Sie ermutigen, Herausforderungen anzunehmen und sich Unterstützung zu suchen, ein Netzwerk aufzubauen, voneinander zu lernen. Dabei mache ich mich nicht nur stark für ‚Female Leadership‘, sondern für jegliche Form von Diversität. Weil wir sie brauchen, um erfolgreich zu sein. Weil wir ohne sie nicht zukunftsfähig sind. Und weil sie uns reicher, stärker und am Ende auch glücklicher macht – davon bin ich zutiefst überzeugt.
 

„Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollen.“

Obwohl wir schon einen weiten Weg gekommen sind, in einem Land leben, in dem die Hälfte des Kabinetts weiblich ist, ich ein Landesgesellschaft leite, in der inzwischen über 30 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt sind, gibt es noch viel zu tun. Denn, wie bei so vielen wirklich wichtigen Dingen, sind wir noch lange nicht da, wo wir sein wollen – als Gesellschaft, als Land, als Weltgemeinschaft. Frauen werden noch immer massiv diskriminiert, sind in den Verfassungen einiger Länder auch heute noch nicht mit Männern gleichgestellt, haben seltener Zugang zu Bildung. Außerdem sind Mädchen und Frauen oft stärker von Armut, Hunger und unzureichender Gesundheitsversorgung betroffen als Jungen und Männer und werden häufiger Opfer von Gewalt. 

Auch in Ländern, in denen Frauen gesetzlich gleichgestellt sind, werden sie im praktischen Leben benachteiligt, verdienen weniger, kommen seltener in Führungspositionen und übernehmen einen deutlich größeren Anteil der unbezahlten Care-Arbeit. Ein Effekt, der sich auch in Deutschland durch die Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen Kita- und Schulschließungen noch verstärkt hat: Mütter arbeiten im Vor-Corona-Vergleich in geringerem Stundenumfang als Väter oder verlagern ihre Arbeitszeit häufiger auf den Abend oder das Wochenende - das zeigen Zahlen des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Wir müssen aufpassen, dass Frauen nicht in längst überwunden geglaubte Rollenbilder zurückfallen und Möglichkeiten der Teilhabe verlieren, die sie sich zuvor hart erkämpft haben.

Seit mehr als hundert Jahren wird am 8. März weltweit auf Frauenrechte, Gleichberechtigung und bestehende Diskriminierung aufmerksam gemacht. Das Motto der UN für den diesjährigen Weltfrauentag lautet ‚Break the Bias‘ - Stoppt die Voreingenommenheit. Und genau das sollten wir tun, und zwar alle. Um die Welt, in der wir leben, zu einem besseren, offeneren, gerechteren Ort zu machen.