Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.

„Wir brauchen mehr Dynamik und einen klaren Fahrplan.“

Am 11. März 2020 hat die WHO COVID-19 offiziell zur Pandemie erklärt. Ein Jahr später hat uns das Virus noch immer fest im Griff. Zeit zu fragen: Was haben wir gelernt? Wie gehen wir gestärkt aus dieser Krise hervor? Und wo stehen wir in Deutschland?

Wenn mir damals, zu Beginn der Pandemie, jemand gesagt hätte, dass wir ein Jahr später in Europa und der Welt bereits einen, ja sogar mehrere Impfstoffe gegen COVID-19 im Einsatz haben – ich hätte es nicht für möglich gehalten. Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurde in so kurzer Zeit ein neuer Impfstoff entwickelt und zugelassen.

Dass wir heute stehen, wo wir stehen, dass es ein Licht am Ende des Tunnels gibt, war und ist für uns alle ein großer Kraftakt. Die Pandemie hat uns gezeigt, dass wir unter Druck Großes erreichen können: Wir haben gesehen, dass aus Deutschland heraus eine völlig neue Impfstofftechnologie die Medizin revolutioniert. Die mRNA-Technologie eröffnet bisher nie dagewesene Möglichkeiten der Prävention. Die Geschwindigkeit, mit der das vollbracht wurde, hat alle Erwartungen übertroffen und neue Maßstäbe gesetzt. Und wir haben auch gesehen, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern gut durch die erste Pandemiewelle gekommen ist. Das Land hat konsequent und frühzeitig heruntergefahren, früh getestet. Wir haben es in der ersten Welle geschafft, die Infektions- und Todeszahlen vergleichsweise gering zu halten.

Wir sehen nun aber auch, dass sich Deutschland mit dem Weg aus der Krise schwerer tut als andere. Dass es an einigen Stellen holpert.

Es fehlt das Momentum in Deutschland, das Zuversicht vermittelt. Ein klares Zukunftsbild, wie wir die Pandemie überwinden wollen.

Die Pandemie und die Phase, in der wir uns gerade befinden, zeigt uns Schwachstellen wie durch ein Brennglas auf. Schwachstellen, die auch schon vor der Pandemie da waren, aber nicht diese Dringlichkeit, ja zum Teil Dramatik entwickelt haben oder eben anders kompensiert wurden – es besteht unter anderem erheblicher Handlungsbedarf in Puncto Digitalisierung, einer Reform des Bildungssystems und dem Aufbau agiler administrativer Strukturen.

Drei Gedanken, wie wir jetzt ein Momentum schaffen können, das uns schneller aus der Pandemie bringt:

  • Pragmatisch sein: Um jetzt mehr Fahrt aufzunehmen, können wir in Deutschland bestehende Infrastrukturen nutzen – dazu zählen beispielsweise auch große Unternehmen mit einem breiten Netz an Betriebsärzten. Wir sollten auch die Zugangsschwellen zu Impfungen senken. Das gilt nicht nur für COVID-19, sondern auch für andere Impfungen. Wir haben funktionierende Strukturen wie das Hausärztesystem oder auch Apotheken in der Fläche.
  • Groß denken: Große Herausforderungen brauchen große Schritte und ein zielorientiertes Handeln. Das sehen wir auch in den Ländern, die bei der Bewältigung der Krise aktuell schneller vorankommen als wir, etwa die USA, Großbritannien oder Israel. In Deutschland neigen wir dagegen gerade im Gesundheitssystem dazu, uns mit vielen kleinteiligen Aspekten zu beschäftigen. Aktuell fehlt es uns an Dynamik und einem klaren Fahrplan, der auf ein Ziel hinführt.
  • Flexibel bleiben: Wir alle befinden uns zum ersten Mal in einer solch außergewöhnlichen Pandemie-Situation. Wir alle sind gefordert, uns permanent auf sich ständig wandelnde Bedingungen einzustellen und gleichzeitig zu lernen, wie wir unsere Systeme resilienter gestalten können – damit wir in Zukunft besser vorbereitet sind.

Die Pandemie bewältigen, sie nicht nur als Krise, sondern auch als Chance begreifen - das ist eine Aufgabe, die wir nur gemeinsam stemmen können. Hier brauchen wir alle Akteure des Gesundheitssystems, die Politik, gesellschaftliche Organisationen, die Wirtschaft und die Medien. Wenn wir jetzt handeln, anpacken, aus Fehlern lernen und die richtigen Schlüsse für die Zukunft ziehen, dann bin ich zuversichtlich, dass wir diese Jahrhundertaufgabe als Gesellschaft meistern werden und gestärkt daraus hervorgehen.