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„Wir dürfen nicht aufhören, uns zu verbessern, wenn wir gut bleiben wollen.“

Welche Rolle spielen Faktoren wie Digitalisierung, Kommunikation und Impfstoffverteilung in Ländern, die gerade vergleichsweise gut durch die Pandemie kommen? Ein Blick über den Tellerrand.

„Dieses Virus hat uns alle beleidigt“, hat Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx letzte Woche auf einer virtuellen Veranstaltung für Pfizer-KollegInnen gesagt. Und damit wie ich finde sehr gut das Gefühl in Worte gefasst, das viele Menschen gerade bewegt: Sie beschreiben eine Mischung aus Lockdown-Müdigkeit, kollektiver Verunsicherung und dem Zurücksehnen eines gesellschaftlichen Lebens aus Vor-Pandemie-Zeiten.

Wir sind ein ganzes Stück weiter als noch vor einem Jahr, als wir uns im ersten Lockdown befanden. Das besagte Licht am Ende des Tunnels liegt nun in Reichweite. Wenn nicht direkt, dann doch zumindest irgendwo hinter der nächsten Wegbiegung. Dennoch bleibt die Frage: Warum kommen wir, nachdem wir in Deutschland vergleichsweise so gut durch die erste Welle der Pandemie gekommen sind, jetzt nur so schleppend voran? Was können wir von anderen lernen, die derzeit gut aus der Krise kommen?

Ein Blick auf das aktuelle Covid Resilience Ranking, das das US-amerikanische Medienunternehmen Bloomberg monatlich erstellt und dabei die 53 größten Volkswirtschaften hinsichtlich ihres Erfolgs bei der Eindämmung der Pandemie bewertet, zeigt, dass da tatsächlich noch Luft nach oben ist. Deutschland liegt mit Platz 23 eher im Mittelfeld.

Warum einige Länder vorne liegen, lässt sich auf klar definierte Bereiche herunterbrechen, von denen ich hier vier herausgreifen möchte:

1. Kommunikation

Neuseeland, Spitzenreiter im Covid Resilience Ranking, setzte in seinem Kampf gegen COVID-19 von Anfang an auf eine strukturierte Kommunikationskampagne: Das von Premierministerin Jacinda Ardern geforderte vierstufige Alarmierungssystem hat dazu beigetragen, inmitten von Unsicherheit Ordnung und Orientierung zu geben. Das Warnsystem bindet Maßnahmen für die öffentliche Gesundheit an vier progressive Risikostufen und vermittelt den Menschen ein klares Bild davon, wie die Regierung handeln würde, wenn sich der Ausbruch in eine gewisse Richtung entwickelt.

Südkorea hat ein System zur schnellen Reaktion auf Epidemien geschaffen, das auch die Kommunikation integriert. Seit dem Ausbruch des Middle East Respiratory Syndroms (MERS) im Jahr 2015 wurde das System reformiert: Südkoreas Zentren für Seuchenkontrolle beherbergen nun ein Büro für Kommunikation, das Fehlinformationen verhindern soll. Während COVID-19 war die Kommunikation effektiv und effizient, da bereits Kanäle zur Verbreitung (z. B. ein Notfall-SMS-System) existierten.

2. Digitalisierung

Finnland ist im Bloomberg-Ranking eines der europäischen Länder, das die Corona-Pandemie bislang am besten bewältigt hat. Neben einem frühen Lockdown profitiert das Land von der fortgeschrittenen Digitalisierung: Der Übergang zum Arbeiten von zu Hause aus und zum Heimunterricht ist auch dank der hohen Digitalisierungsstandards in Finnland reibungslos gelaufen. Die Track-and-Trace-App "Corona Flash", welche der deutschen Corona App gleicht, wurde von fast jeder zweiten Person in Finnland heruntergeladen.

In Israel gibt es vier gesetzliche Krankenkassen, die gemeinsam die Impf-Infrastruktur stellen. Jede Kasse hat eine App, mit der Impftermine vergeben werden. Das israelische Gesundheitssystem war schon lange vor Beginn der Pandemie fast vollständig digitalisiert und konnte somit schneller und flexibler reagieren. So gibt es bereits eine elektronische Patientenakte, und Krankenakten sind an einem zentralen Ort digital gebündelt.

3. Impfstoffverteilung

Großbritannien: Neben den Impfzentren dürfen in Großbritannien seit Dezember Hausärzte und seit Januar Apotheken impfen. Arztpraxen führen Listen mit Patienten, die schnell zur Praxis kommen können, falls am Abend Impfdosen übrigbleiben. Neben dem offiziellen Brief vom staatlichen National Health Service NHS kontaktieren Hausarztpraxen ihre Patientinnen und Patienten zusätzlich per SMS oder Telefon, wenn sie an der Reihe sind. Außerdem werden leere Stadien, Rennbahnen, Einkaufszentren, Supermärkte und sogar Kirchen wie die berühmte Westminster Abbey in Impfzentren umfunktioniert.

Auch Chiles Impfprogramm ist im internationalen Vergleich sehr erfolgreich. Bereits mehr als ein Viertel der Bevölkerung hat die erste Dosis einer Covid-19-Impfung erhalten, ein Zehntel ist vollständig immunisiert. Kein anderes Land impfte zuletzt so schnell, nämlich 1,4 Dosen pro 100 Einwohner täglich. Chile hat die Infrastruktur bereits vor Jahrzehnten geschaffen, um jährlich gegen Grippe zu impfen. Deswegen gibt es auch in ländlichen Regionen Gesundheitszentren, die jeweils für ein bestimmtes Gebiet zuständig sind. Zusätzlich wird auch in Fußballstadien, Universitäten, Schulen oder Drive-ins geimpft. Eine weitere Besonderheit: Es gibt keine Impftermine. Das chilenische Gesundheitsministerium veröffentlicht einen Kalender, aus dem klar hervorgeht, welche spezifische Gruppe an welchem Tag für die Impfung in Frage kommt, ohne dass ein Termin erforderlich ist. Jeder Impfberechtigte kann daraufhin nur mit seinem Ausweis zu einem beliebigen Impfzentrum gehen, um sich impfen zu lassen.

4. Teststrategien und Nachverfolgung

In Südkorea gab es von Anfang an eine hohe Testkapazität – so konnten auch milde und symptomlose Fälle in der Bevölkerung entdeckt werden. Anhand von sehr vielen Tests sowie der Isolierung von Erkrankten und deren Kontaktpersonen konnte so schnell der Ausbruch von Covid-19 eingedämmt werden. Zudem ist die Hürde, an einen PCR-Test oder Schnelltest zu kommen, in Südkorea wesentlich niedriger: Die Menschen können sich auf öffentlichen Plätzen testen lassen - anonym und unbürokratisch.

Früher als viele andere Länder hat Dänemark auf das Testen gesetzt. Mobile Teststationen und Schalter, die man mit dem Auto anfahren kann, sollen dabei helfen, Hürden abzubauen. Außerdem setzt Dänemark auf strenge Einreiseregeln, strikte Lockdown-Maßnahmen und schnelle Impfungen. Nach Monaten strenger Corona-Beschränkungen wurde deswegen zum 1. März 2021 eine vorsichtige, schrittweise Wiedereröffnung der Gesellschaft beschlossen – trotz steigender Inzidenzzahlen.

Das sind nur einige ausgewählte Beispiele, von denen wir lernen können – auch wenn sich die Länder in ihren geografischen und kulturellen Gegebenheiten von Deutschland unterscheiden. Der Blick nach außen zeigt, was bei der Überwindung dieser Krise möglich ist.

Wir können viel lernen – und müssen jetzt beherzt handeln!

Es ist ein intensiver und notwendiger Lernprozess für uns. Für jeden einzelnen, für Organisationen und auch für unsere Gesellschaft als Ganzes gilt: Wir dürfen nicht aufhören, besser zu werden, wenn wir gut bleiben wollen.