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Blogbeitrag vom 13.08.2020

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In Sachen Prävention passiert (zu) wenig

Fokus Prävention

Krisen sind immer auch Chancen, heißt es in Zeiten wie diesen gerne. Ich mag diesen Satz nicht besonders. Er suggeriert, dass wir immer erst eine veritable Krise brauchen, um zu sehen was gut läuft und was nicht. Krisen sind wie ein Brennglas? Da gehe ich mit. Sie sind ein – manchmal auch brutaler – Realitätscheck. Sie zeigen auf, ob wir die Zeiten vor einer Krise gut genutzt haben.

Deutschland ist im Vergleich zu den meisten anderen Ländern bisher relativ gut durch die Pandemie gekommen. Dafür gibt es viele Gründe. Das deutsche Gesundheitssystem hat sich als robuster erwiesen, als viele vor der Pandemie gedacht haben. Wir können uns auf die vielen Menschen, die deutschlandweit in Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, in der Forschung von Kliniken, Instituten und Unternehmen tätig sind, verlassen.

Nachholbedarf in Sachen Prävention

Das ist ein beruhigendes Gefühl – das die Mehrheit der Deutschen teilt. Fast 80 Prozent haben in einer von uns initiierten Umfrage angegeben, dass unser Gesundheitssystem gut darin ist, Krankheiten zu behandeln. Aber nur 58 Prozent glauben, dass es auch gut darin ist, Krankheiten zu vermeiden, bevor sie entstehen.

Eine Lehre aus dieser Pandemie ist: Das Gesundheitswesen als Reparaturbetrieb – das reicht nicht mehr. Doch in Sachen Prävention passiert (zu) wenig. Beispiel Impfraten: Wohin man schaut, verpassen wir wichtige Impfziele; sei es bei Grippe oder bei Masern. Pneumokokken-Impfstoffe, die schwere Lungenentzündungen vermeiden können, wurden vor Beginn der Pandemie nur von 4,4 Prozent der Risikogruppe genutzt.

 

Fast jeder Dritte hat in unserer Umfrage angegeben, sich nicht ausreichend darüber informiert zu fühlen, welche Impfungen er benötigt. Was ist schon alles versucht worden: vom Appell ans soziale Gewissen über den erhobenen Zeigefinger – nur genutzt hat es wenig. Mein Vorschlag: Basierend auf den entsprechenden wissenschaftlichen Studien und unter Vermeidung von Emotionen sachliche, gut strukturierte, nachvollziehbare Informationen anbieten, wie, wann, was, warum geimpft werden sollte – auch als Gegengewicht zu den vielen in den Sozialen Medien kursierenden Falschinformationen. Impfen muss einfacher werden.

Höhere Impfraten sind zwar nicht der einzige, aber doch ein entscheidender Baustein für die Zukunft. Hier müssen wir endlich vorankommen, um auf die nächste Pandemie besser vorbereitet zu sein.

 

Martin Fensch ist Mitglied der Geschäftsführung von Pfizer Deutschland