Kopfbereich
Zum Nutzerprofil
Inhaltsbereich

Metastasierter Brustkrebs: Experte Prof. Christian Jackisch

Expertenbeitrag

»Ich lerne von den Patientinnen unheimlich viel.«

Prof. Dr. Christian Jackisch Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Sana Klinikum Offenbach

Neue Arzneimittel und interdisziplinäre Behandlungskonzepte in zertifizierten Brustzentren haben die Versorgung von Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs nachhaltig verbessert. "Es gibt mehr Hoffnung und Lichtblicke in der Behandlung, das prägt unser ärztliches Handeln", berichtet Prof. Dr. Christian Jackisch, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Sana Klinikum Offenbach und Vorsitzender der Hessischen Krebsgesellschaft. Es gibt aber noch einiges zu tun, um eine bestmögliche Versorgung zu erreichen.

Es folgt ein Zitat das nicht in den Lesefluß gehört:

Heute sind Behandlungen möglich, die noch vor zehn Jahren unvorstellbar waren.

Prof. Christian Jackisch

Zitatende

Als Prof. Dr. Christian Jackisch vor rund 20 Jahren seine Laufbahn in der Krebsmedizin startete, gehörten Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall als Nebenwirkungen einer Brustkrebstherapie zum Alltag der Patientinnen. Viel hat sich seitdem getan: "Heute sind Behandlungen möglich, die noch vor zehn Jahren unvorstellbar waren, und bei denen Patienten nicht mehr so sehr leiden müssen", so der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Sana Klinikum Offenbach. Doch weiterhin stellen vor allem fortgeschrittene Brustkrebs-Stadien, bei denen sich Metastasen gebildet haben, die behandelnden Ärzte vor große Herausforderungen.

Es folgt ein Inhalt, der nicht in den Lesefluss gehört:

Interessantes!

Jede 8. Frau wird statistisch betrachtet im Laufe ihres Lebens mit einer Brustkrebsdiagnose konfrontiert.

Ende des Inhaltes

Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Im frühen Stadium kann die Krankheit heute meistens geheilt werden, doch bei fast jeder dritten Patientin kommt der Brustkrebs trotz einer erfolgreichen Erstbehandlung nach einiger Zeit zurück, manchmal viele Jahre später, und es bilden sich Metastasen. Metastasierter Brustkrebs ist in der Regel nicht mehr heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, ein weiteres Fortschreiten der Krankheit möglichst lang zu verhindern und eine gute Lebensqualität für die Betroffenen zu erreichen. Das gelingt immer besser.

Große Fortschritte sieht Jackisch zum einen in der Verfügbarkeit von wirksameren und besser verträglichen Medikamenten, zum anderen in der Anwendung von interdisziplinären Therapiekonzepten: "Dadurch können gezielt viele Beschwerden behandelt werden, die infolge der Krebserkrankung auftreten, wie beispielsweise Knochenschmerzen oder Sehstörungen." Einen hohen Versorgungsstandard bieten zertifizierte Brustkrebszentren. Dort arbeiten Spezialisten verschiedener medizinischer Richtungen zusammen, um für jede Patientin die Behandlung zu finden, die individuell die besten Erfolgsaussichten verspricht. Besonders komplex sind die Herausforderungen für die Ärzte, wenn mehrere Organe gleichzeitig von Metastasen betroffen sind. Am häufigsten treten sie in den Knochen, der Leber, dem Gehirn und der Lunge auf.

Bildergalerie Metastasierter Brustkrebs

In den meisten Fällen lassen sich Nebenwirkungen einer Brustkrebs-Therapie weiterhin nicht vermeiden, können heute aber erheblich gemildert werden. Trotzdem sorgen vermeintlich typische Nebenwirkungen für große Ängste bei den Betroffenen. "Am meisten haben die Patientinnen Angst davor, wieder eine Chemotherapie machen zu müssen.", sagt Jackisch. Ihm ist es wichtig, seinen Patientinnen die Angst zu nehmen, und er erklärt ihnen immer wieder, dass sich Nebenwirkungen dank der verbesserten Therapien oft erheblich reduzieren und manchmal auch ganz in den Griff bekommen lassen. Und häufig ist eine Chemotherapie gar nicht notwendig, weil bei vielen Formen des metastasierten Brustkrebses inzwischen andere Behandlungsoptionen empfohlen werden, zum Beispiel eine Antihormontherapie. Oft ist dennoch eine psychoonkologische Betreuung notwendig, denn die Erkrankung löst bei vielen Patientinnen existenzielle Ängste aus.

Neben der bestmöglichen medizinischen Versorgung wird es zunehmend wichtiger, die betroffenen Frauen auch in Alltagsfragen zu unterstützen – von der arbeitsrechtlichen Beratung bis hin zur Unterstützung beim Beantragen einer Haushaltshilfe. Viele Patientinnen benötigen eine Behandlung, die es ihnen erlaubt, weiterhin zur Arbeit gehen zu können. Für berufstätige Mütter stellt sich zudem die Frage, wie sie die ohnehin schwierige Work-Life-Balance mit einer längeren Krebstherapie vereinbaren können.

Doch diese alltäglichen Fragen geraten im therapeutischen Alltag manchmal aus dem Blick: "Ich lerne von den Patientinnen unendlich viel", sagt Jackisch. "Wenn man im zweiten oder dritten Gespräch versucht, sich mal emotional den Kittel auszuziehen und fragt, welche Aspekte der Therapie die Patientin als besonders belastend empfindet, kommt man oft auf Punkte, an die man als Arzt erst gar nicht denkt."

Mehr Geschichten von Patienten und Experten