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Experten im Interview Prof. Rieke Alten

Prof. Rieke Alten

Experteninterview

»Biologika konnten vielen Patienten zum ersten Mal effektiv helfen.«

Prof. Rieke Alten Chefärztin in der Abteilung Innere Medizin und Rheumatologie an der Schlosspark-Klinik Berlin

Prof. Rieke Alten ist Chefärztin in der Abteilung Innere Medizin und Rheumatologie an der Schlosspark-Klinik Berlin. Im Interview erläutert sie die aktuelle Therapiesituation bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

Es folgt ein Zitat das nicht in den Lesefluß gehört:

Durch unser Wissen und die Methoden der modernen Diagnostik können wir rheumatische Erkrankungen heute früher und besser erkennen und gezielter sowie individueller behandeln.

Prof. Rieke Alten

Zitatende

Was bedeutet es für Patienten, von einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung wie der Rheumatoiden Arthritis (RA) betroffen zu sein?

Prof. Rieke Alten: Die Patienten leiden unter starken Schmerzen, die ihre Bewegungsfreiheit erheblich behindern. Meist sind mehrere Gelenke geschwollen und steif. Viele Betroffene können kaum ihren Alltag bewältigen: Gerade am Morgen dauert es oft Stunden, bis sie einfachste Tätigkeiten durchführen können – Duschen, Anziehen, Kaffee kochen, Einkaufen und selbst das Aufschließen einer Tür werden zur Herausforderung. Die Autoimmunerkrankung verursacht außerdem Beschwerden, die nicht nur das Skelett betreffen. Häufig sind die Patienten ständig erschöpft und müde. Zudem können innere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden. All das führt dazu, dass die Patienten in ihrem ganzen Leben massiv eingeschränkt sind – in Beruf, Freizeit und Partnerschaft.

Es folgt ein Inhalt, der nicht in den Lesefluss gehört:

Interessantes!

400 Krankheitsbilder und mehr gehören zu den sogenannten rheumatoiden Erkrankungen. Nicht nur Knochen und Gelenke können in Mitleidenschaft gezogen werden, sondern auch Sehnen, Muskeln und Organe.

Ende des Inhaltes

Wie bewerten Sie die aktuelle Therapiesituation bei rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen?

Durch unser Wissen und die Methoden der modernen Diagnostik können wir rheumatische Erkrankungen heute früher und besser erkennen und gezielter sowie individueller behandeln. So verhindern wir, dass klassische Symptome wie chronische Schmerzen oder Langzeitfolgen wie Bewegungseinschränkungen durch Gelenkzerstörungen überhaupt erst auftreten.

Worauf müssen Patienten achten, damit sie von den Fortschritten der Diagnostik und Therapie profitieren können?

Besonders wichtig ist, dass die Erkrankung frühzeitig von Ärzten erkannt wird und auch Spezialisten frühzeitig mit einbezogen werden. Geschieht dies zu spät, erschwert das die Behandlung, denn Schäden an den Gelenken lassen sich nicht rückgängig machen. Deshalb sollten Menschen, die unter Gelenkschmerzen leiden, möglichst schnell einen Rheumatologen aufsuchen.

Zur Jahrtausendwende kam mit den Biologika in der Rheumatologie eine neue Therapieoption hinzu. Was haben diese Medikamente verändert?

Biologika konnten vielen Patienten zum ersten Mal effektiv helfen, bei denen die bis dato vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichten. Denn mit ihnen wurde es erstmals möglich, ganz gezielt in den Entzündungsprozess einzugreifen: Ihre Wirkstoffe hemmen z.B. den Botenstoff Tumornekrosefaktor alpha, der Entzündungen im Körper auslöst und sie verstärkt. Nach kurzer Zeit können Biologika bei in der Regel guter Verträglichkeit die Symptome, insbesondere die Schmerzen, spürbar verbessern. In vielen Fällen, insbesondere bei frühem Therapiebeginn, ist es sogar möglich, die Erkrankung aufzuhalten. Das heißt, dass bei den Patienten keine oder nur geringe Entzündungswerte nachweisbar sind. Für das Leben der Betroffenen kann das eine beträchtliche Erleichterung bedeuten – sie haben weniger Schmerzen, können sich besser bewegen und wieder weitgehend ein normales Alltagsleben führen. Dieser große Fortschritt lässt sich auch an den Auswertungen der Kerndokumentation des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums ablesen. Sie zeigen: Die Invalidität der RA-Patienten ist seit dem Jahr 2000 stark rückläufig, und schwere Verlaufsformen der Erkrankung sind selten geworden. Wir sehen in der Klinik heute kaum noch fortgeschrittene, invalidisierende Verläufe.

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