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Schmerz

»Es ist schwierig, eine optimale medizinische Versorgung zu finden.«

Susanne Wüste, 47

Patientin

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Susanne Wüste, 47, ist gelernte Krankenschwester und leidet seit mehr als 20 Jahren an chronischen Schmerzen. Eine multimodale Therapie hilft ihr, im Alltag den oft schwierigen Umgang mit der Erkrankung und den oft heftigen Schmerzschüben zu bewältigen. Als Vizepräsidentin der Deutschen Schmerzliga e.V. setzt sie sich dafür ein, das allgemeine Bewusstsein für Schmerz als eigenständiges Krankheitsbild zu stärken und die Versorgung der Betroffenen zu verbessern.

Wünschenswert wäre eine flächendeckende Versorgung durch spezialisierte Schmerztherapeuten, aber davon sind wir noch weit entfernt.

"Ich bin seit 23 Jahren Schmerzpatientin. Wie sich das anfühlt, kann niemand nachvollziehen, der nicht selbst von chronischem Schmerz betroffen ist. Ich habe das Gefühl, dass meine gesamten Muskeln straff gezogen werden, sodass die gesamte Muskulatur schmerzt. Dazu kommen einschießende Schmerzen in den Beinen und im Gesäß, die bewirken, dass ich manchmal nicht stehen kann. Ich habe oft damit zu kämpfen, dass man mir den Schmerz nicht ansieht. Das soll aber nicht heißen, dass es mir immer schlecht geht, im Gegenteil. Ich habe ein gutes Leben, aber es funktioniert nur mit Hilfsmitteln. Wichtig ist eine multimodale Behandlung – mit Medikamenten gegen den Schmerz, aber auch mit Bewegungs- und Entspannungstherapie. In bestimmten Situationen benutze ich zudem ein Wärmebett, und im Alltag benötige ich auch einen Stützgürtel, weil ich ohne ihn nicht stehen oder laufen könnte. Und wenn es ganz schlimm wird, benutze ich auch mal einen Rollator.

12 Millionen

Menschen leiden in Deutschland an chronischen Schmerzen. Sie alle müssten eigentlich von einem Schmerzspezialisten behandelt werden, schon um eine Verschlimmerung der Chronifizierung zu vermeiden.

Ich bin gelernte Krankenschwester und habe aufgrund meiner eigenen Erfahrungen eine Weiterbildung zur 'Pain Nurse' und 'Pain Nurse Plus' absolviert – das sind Krankenschwestern, die auf den Umgang mit Schmerzpatienten besonders geschult sind. Außerdem habe ich zur Bewältigung meiner Schmerzgeschichte den Austausch mit anderen Betroffenen gesucht und auf diesem Weg den Kontakt zur Deutschen Schmerzliga geknüpft. Unter ihrem Dach sind rund 120 Selbsthilfegruppen organisiert, mit deren Hilfe man die Schmerzerkrankung und auch den Alltag besser bewältigen kann. Für mich war der Austausch mit anderen Betroffenen sehr wertvoll. Meine Arbeit als Krankenschwester konnte ich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr ausüben und habe mich dann immer mehr für andere Schmerzpatienten engagiert.

Was mich bei meiner Arbeit für Patienten bis heute antreibt, sind meine eigenen Erfahrungen als Schmerzpatientin. Bei mir hat es Jahre gedauert, die richtige Behandlung zu bekommen. Es ist für die Betroffenen heute leider immer noch sehr schwierig, die bestmögliche medizinische Versorgung zu finden, obwohl wir in Deutschland rund 12 Millionen Schmerzpatienten haben. Wünschenswert wäre eine flächendeckende Versorgung durch spezialisierte Schmerztherapeuten, aber davon sind wir noch weit entfernt.