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Experten im Interview Dr. Sigl-Kraetzig

Experteninterview

»Manchmal ist es in der Begleitung der Therapie nötig, nicht nur Arzt, sondern – vorsichtig formuliert – väterlicher Freund zu sein.«

Dr. Sigl-Kraetzig Facharzt für Kinder und Jugendmedizin im Hämophilie-Behandlungszentrum, Blaubeuren bei Ulm

Telemedizin in der Hämophilie kann dazu beitragen, den Behandlungsstandard zu verbessern und die Dokumentation des Therapieverlaufs erleichtern. Viele Patienten nutzen deshalb Haemoassist® 2, ein Smartphone-basiertes Patiententagebuch. Dr. Michael Sigl-Kraetzig ist niedergelassener Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin im süddeutschen Blaubeuren. Im Interview informiert er über Fortschritte in der Behandlung der Hämophilie und erklärt, welche Vorteile die elektronische Therapiebegleitung mittels Smartphone-App für Ärzte und Patienten hat.

Es folgt ein Zitat das nicht in den Lesefluß gehört:

Für mich sind elektronische Tagebücher ein gutes Tool, sowohl für die Patienten als auch für die Behandler.

Dr. Sigl-Kraetzig

Zitatende

Herr Dr. Sigl-Kraetzig, wie unterscheidet sich das Leben eines heranwachsenden Hämophiliepatienten heute im Vergleich zu etwa 1996? Was hat sich aus Ihrer Sicht in den letzten 20 Jahren verbessert?

Da hat sich ganz viel getan. Vor 20 Jahren war die Angst vor übertragbaren Erkrankungen sehr viel größer. Das ist bei vielen Menschen, vor allem bei jüngeren Eltern, nicht mehr so im Fokus und in der Erinnerung. Wir haben mit den rekombinanten Faktorkonzentraten, die überhaupt kein Risiko mehr für übertragbare Infektionen haben, sehr viel an Sicherheit gewonnen.

Sollte es Ziel der Hämophilie-Behandlung sein, alle Patienten mittels App – wie dem
Haemoassist® 2 – umzustellen, um so die Therapie einfacher und sicherer zu gestalten?

Für mich sind elektronische Tagebücher ein gutes Tool, sowohl für die Patienten als auch für die Behandler. Sie ermöglichen mir als Behandler – wenn sie denn richtig geführt werden –  eine gute Kontrolle, weil ich erfahre, ob der Patient sich wirklich regelmäßig spritzt. Außerdem kann ich Alarmmeldungen einstellen, die mich informieren, ob gespritzt bzw. nicht gespritzt wird und wenn Blutungen auftreten. Dann kann ich, falls nötig, selber zum Hörer greifen und dem Patienten sagen, dass ich ein Problem gesehen habe und ihn bitten, zu mir zu kommen. So kann ich schnell reagieren und gegebenenfalls die Therapie optimieren. 

Welche entscheidenden Vorteile sehen Sie als Arzt in der Telemedizin, insbesondere in der elektronischen Therapiebegleitung?

Ich verwende nicht nur die telemedizinischen Dokumentationsanwendungen, sondern kommuniziere mit meinen Patienten auch über andere elektronische Kanäle, mit denen man auch gut Fotos versenden kann. Von den Patienten wird es sehr gerne angenommen, dass sie quasi zu jeder Zeit einfach mal ein Bild einer Blutung mit der Frage, ob sie nun spritzen sollen oder nicht, schicken können, ohne gleich zum Arzt fahren zu müssen. Ich telefoniere dann mit ihnen und frage sie, was genau passiert ist. So lässt sich auch über größere Distanzen eine sehr gute Patienten-Therapeuten-Bindung erreichen. Und das geht quasi 24 Stunden an sieben Tagen die Woche.

Es folgt ein Inhalt, der nicht in den Lesefluss gehört:

Interessantes!

Hämophilie Hämophilie A ~3.350 Patienten Hämophilie B ~600 Patienten

Ende des Inhaltes

Ist eine Smartphone-App ein gutes Instrument für alle Patienten? Oder ist diese Methode nur für bestimmte Patienten sinnvoll?

Grundsätzlich ist ein elektronisches Tagebuch für alle Patienten sinnvoll, aber nicht alle Patienten kommen damit zurecht. Manche älteren Patienten wollen kein Smartphone haben oder sich damit beschäftigen. Als Kinder- und Jugendarzt erlebe ich das aber eher selten, weil die Eltern meiner Patienten meist jung sind. Für sie und für die Heranwachsenden, die als Patienten zu mir kommen, gehört das Smartphone zum Alltag.

Wie sehen Sie die Zukunft der Hämophilie?

Was sich in nächster Zukunft vielleicht verändern könnte, wäre die Applikationsart, also die Form der Verabreichung des Medikaments. Das betrifft in erster Linie die sogenannten Hemmkörperpatienten, bei denen die Wirkung des verabreichten Faktorkonzentrats durch die Bildung von Antikörpern beeinträchtigt wird. In der Entwicklung befinden sind auch gentherapeutische Ansätze, die aber allesamt noch experimentell sind.

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