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21.06.2017

Effektive Rauchentwöhnung: Individuelle Gesundheit und deutsches Gesundheitssystem profitieren

Knapp 20 Millionen Erwachsene in Deutschland rauchen.1 Die Konsequenzen sind häufig Begleit- bzw. Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislaufkrankheiten, Krebs sowie nicht zuletzt Atemwegserkrankungen wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).2 Die direkten und indirekten Kosten, die durch tabakbedingte Krankheiten und Todesfälle entstehen, werden in Deutschland auf über 33 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.3 Im Rahmen eines Pressegesprächs in Berlin diskutierten namhafte Experten die Folgen der Suchterkrankung und die Notwendigkeit wirksamer Maßnahmen zur Rauchentwöhnung.

Deutschland liegt unter den Staaten mit dem höchsten Tabakkonsum weltweit.4 Der Anteil der Raucher ist unter Männern zwischen 18 und 79 Jahren mit rund 33 Prozent höher als unter Frauen (27 Prozent). Bei jüngeren Erwachsenen ist der Raucheranteil am höchsten: 47 Prozent der 18-29-Jährigen Männer und 40 Prozent der Frauen in dieser Altersspanne rauchen.1

Gesundheitliche Folgen des Tabakkonsums

Rauchen schädigt nahezu jedes Organ im Körper. Besonders stark betroffen sind die Atemwege und das Herz-Kreislaufsystem: So ist Rauchen zum Beispiel die häufigste Ursache für die Entwicklung chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen (COPD). Im schlimmsten Fall ist Rauchen tödlich – jeder siebte Deutsche stirbt an den Folgen der Nikotinsucht.2 Insgesamt sind rund 80 bis 90 Prozent der COPD-Erkrankungen direkt auf das Rauchen zurückzuführen. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie ist darum ein unverzüglicher Rauchstopp das wirksamste und kosteneffektivste Mittel, um eine COPD zu vermeiden oder um deren Verschlechterung zu verhindern.5

"Doch Rauchen entwickelt sich schnell zur Sucht. Nikotin und andere Tabakinhaltsstoffe bewirken im Gehirn unter anderem eine Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin, der ein subjektives Gefühl von Wohlbefinden und Lust erzeugt. Der menschliche Körper gewöhnt sich schnell an die Nikotinzufuhr und im Gehirn werden vermehrt Nikotin-Rezeptoren gebildet, so dass das körperliche Verlangen nach Nikotin zunimmt", erläutert Prof. Dr. med. Wulf Pankow, Chefarzt für Pneumologie und Infektiologie, Vivantes Klinik Neukölln. Im Verlauf des regelmäßigen und anhaltenden Tabakkonsums wird vom Organismus immer mehr Nikotin benötigt, um Entzugssymptome zu vermeiden.6 Als Substanzabhängigkeit und Suchterkrankung muss der Tabakkonsum deshalb entsprechend medizinisch behandelt werden.

Insbesondere für COPD-Patienten gilt: Die aussichtsreichste Methode, um langfristig abstinent zu bleiben, ist die Rauchentwöhnung unter ärztlicher und psychologischer Anleitung.7 "Verbindet man eine medikamentöse Therapie mit psychologischen Behandlungsformen, erhöhen sich die Abstinenzaussichten bei Patienten mit einer COPD erheblich", so Dr. Thomas Hering, Facharzt für Pneumologie aus Berlin. "Daher ist diese therapeutische Kombination auch Bestandteil der aktuellen S3-Leitlinien."

Nichtraucherpolitik in Deutschland hinkt weltweiter Entwicklung hinterher

Doch obwohl einschlägige Leitlinien klar empfehlen, eine professionelle Rauchentwöhnung bei abhängigen und gesundheitlich belasteten Patienten im Regelfall mittels medikamentöser und psychotherapeutischer Methoden durchzuführen, ist die Situation in Deutschland grundlegend anders als z.B. im europäischen Umfeld: Gem. § 34 Abs. 1 S. 7 SGB V sind auch formell zugelassene und verschreibungspflichtige Arzneimittel zur medikamentösen Rauchentwöhnung von der Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen. Die informelle Bezeichnung des § 34 Abs. 1 S. 7 SGB V als "Lifestyle-Paragraph" vermittelt dabei den Eindruck, Tabakabhängigkeit sei lediglich ein Frage des Lebensstils und keinesfalls eine Krankheit. Die Bedeutung und die Konsequenzen einer Nikotinsucht sowohl für den einzelnen Patienten als auch für die Gesellschaft werden so nicht ganzheitlich erfasst.

Deutschlands Nichtraucherpolitik bleibt damit hinter der weltweiten Entwicklung zurück: Die Tobacco Control Scale (TCS) vergibt in ihrem Ranking 100 Punkte für die Umsetzung wirksamer Strategien der Tabakkontrolle. Darin belegt Deutschland mit 37 Punkten im europäischen Vergleich den vorletzten Platz. Auch bei den darin enthaltenen Programmen zur Rauchentwöhnung schneidet Deutschland schlecht ab – wichtiges Bewertungskriterium ist dabei die kostenfreie Unterstützung bei den verschiedenen Maßnahmen zur Rauchentwöhnung.8

Rauchentwöhnung spart dem Gesundheitssystem bares Geld

Ob medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlungsformen, Maßnahmen zur Rauchentwöhnung gehören zu den kosteneffektivsten gesundheitlichen Interventionen überhaupt.5 Auf mehr als 33 Milliarden Euro werden die Kosten durch tabakbedingte Krankheiten und Todesfälle pro Jahr in Deutschland geschätzt.3 Davon entfallen etwa ein Drittel der Kosten direkt auf das Gesundheitswesen, etwa zwei Drittel auf "indirekte Kosten", wie Produktionsausfälle und Frühverrentungen.

Die Gesundheitskasse AOK PLUS bietet mit dem Pilotprojekt "Rauchfrei durchatmen" seit 2013 erstmals eine ganzheitliche Unterstützung für von COPD betroffene Raucher. Prof. Dr. Stephan Mühlig, Inhaber der Professur für Klinische Psychologie an der TU Chemnitz und Experte für Rauchentwöhnung, sowie die Pneumologen Dr. Jakob Bickhardt und Dr. Thomas Heindl entwickelten das Konzept für das Projekt gemäß der S3-Leitlinie Tabakentwöhnung bei COPD. Das Programm wird unter Realbedingungen in Facharztpraxen der Modellregion erprobt und evaluiert. Zielgruppe sind dabei Patienten mit Raucherbronchitis und COPD, für die die Rauchentwöhnung eine der wichtigsten Behandlungskomponenten ist. An der Studie nahmen bisher bereits mehrere hundert Raucher in Sachsen und Thüringen teil, die an einer COPD oder an chronisch persistierendem Husten leiden. "Im deutschen Gesundheitswesen fehlt aktuell eine systematische und flächendeckende Ansprache von gefährdeten Rauchern, um die Motivation zur Rauchentwöhnung mit Hilfe evaluierter Kurzmotivierungskonzepte zu stärken. Auch fehlen nach wie vor qualifizierte Angebote zur professionellen Rauchentwöhnung mit den entsprechenden Anreizsystemen auf der Anbieterseite in der stationären und ambulanten Versorgung. Diese Lücken werden durch das Pilotprojekt der AOK Plus adressiert", erläutert Prof. Dr. Stephan Mühlig. "Dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Hier muss ein grundsätzliches Umdenken stattfinden, schwerwiegende tabakassoziierte Erkrankungen und vorzeitigen Tod durch frühzeitig eingeleitete Rauchentwöhnung rechtzeitig zu verhindern." Die klinische Studie läuft voraussichtlich noch bis 2018.

Factsheet "Rauchen – eine gesundheitliche Belastung für Deutschland"

Quellen:

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Raucherquote bei Erwachsenen. Verfügbar unter: www.rauchfrei-info.de/informieren/verbreitung-des-rauchens/raucherquote-bei-erwachsenen/. Zugriff am 09.05.2017.
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum - Stiftung des öffentlichen Rechts. Gesundheitliche Folgen des Rauchens . Verfügbar unter: www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Gesundheitliche_Folgen_des_Rauchens.html. Zugriff am: 9.05.2017.
  3. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) (2009): Die Kosten des Rauchens für Gesundheitswesen und Volkswirtschaft in Deutschland. Verfügbar unter: www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/AdWfP/AdWfP_Die_Kosten_des_Rauchens.pdf . Zugriff am: 15.06.17.
  4. Tobacco Atlas (2017): Cigarette use globally. Verfügbar unter: www.tobaccoatlas.org/topic/cigarette-use-globally/ . Zugriff am: 08.07.17.
  5. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (2013). Leitlinie 020/005: Tabakentwöhnung bei COPD – S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. Verfügbar unter: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020-005.html. Zugriff am 06.06.17.
  6. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (2017): Tabak. Verfügbar unter: www.dhs.de/suchtstoffe-verhalten/tabak.html. Zugriff am: 08.06.17.
  7. Ärztezeitung (2010). Raucherentwöhnung – bei COPD die wichtigste Maßnahme. Verfügbar unter: www.aerztezeitung.de/extras/druckansicht/. Zugriff am 03.04.2017
  8. Joossens, L., Raw, M. (2016). The Tobacco Control Scale 2016 in Europe. Verfügbar unter: www.tobaccocontrolscale.org/wp-content/uploads/2017/03/TCS-2016-in-Europe-COMPLETE-LoRes.pdf. Zugriff am 13.04.2017.

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