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17.10.2017

Krebs = Chemo? Nicht immer die beste Wahl!

So entscheiden Ärzte über die beste Therapie

Brustkrebsmonat Oktober

Erkrankt eine Frau an Brustkrebs, so wird ihr die Brust amputiert und sie bekommt eine Chemotherapie. Diese Vorstellung ist weit verbreitet. Doch so einfach ist es nicht. Denn Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs: Wurde er in einem frühen Stadium entdeckt oder ist er schon fortgeschritten? Ist sein Wachstum durch Hormone angeregt? Wächst er aggressiv oder eher langsam? So individuell wie die Erkrankung sind auch die Therapiemöglichkeiten. In frühen Stadien ist eine Operation, die mit anderen Therapien wie der Bestrahlung oder einer Auswahl an Medikamenten ergänzt werden kann, oft das Mittel der Wahl, um eine Heilung zu erreichen. In fortgeschrittenen Stadien, wenn eine Heilung oftmals nicht mehr möglich ist, geht es darum, den Verlauf der Erkrankung hinauszuzögern. Es gibt mehrere Möglichkeiten, das Weiterwachsen des Krebses zu verlangsamen. Eine davon ist die Chemotherapie, bei hormonabhängig wachsendem Brustkrebs ist eine antihormonelle (endokrine) Therapie wirksam. Um die beste Entscheidung für jede einzelne Patientin treffen zu können, tauschen sich Ärzte in Tumorkonferenzen aus und es stehen ihnen Empfehlungen von Fachgesellschaften, sogenannte Leitlinien, zur Seite. Damit sich auch Patienten über den Stand der Expertenempfehlungen informieren können, werden für sie verständlich aufbereitete Versionen angeboten.

Jährlich gibt es etwa 70.000 Neuerkrankungen bei Brustkrebs. Beim frühen Brustkrebs liegt dabei die Heilungschance bei rund 70 bis 80 %. Das bestätigt Prof. Dr. Hans Tesch, Leiter des Zentrums für Hämatologie und Onkologie Bethanien in Frankfurt am Main. Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten, Brustkrebs zu behandeln. Dazu gehören neben OP und Chemotherapie beispielsweise die Immun- oder Strahlentherapie oder die sogenannte endokrine Therapie, bei der Wirkstoffe zum Einsatz kommen, die antihormonell wirken.

Die zum Teil nicht einfache Entscheidung, welche Therapie zur Behandlung eines Tumors die beste ist, obliegt dem jeweiligen Arzt. Doch bevor er sich mit der Behandlung beschäftigen kann, muss zunächst eine Diagnose gestellt werden, die dann die weiteren Schritte bestimmt. Je nach Schwere der Erkrankung, richtet sich die Therapie nach der Biologie des Tumors und nach der persönlichen Situation der Patientin, also nach ihrem Alter oder ihren Begleiterkrankungen. „Welche Behandlung letztlich erfolgt, entscheidet sich in der Regel deshalb auf einer Tumorkonferenz“, sagt Prof. Tesch. In diesem interdisziplinären Gremium werden regelmäßig Patientenfälle vorgestellt und mit Vertretern verschiedener Fachrichtungen diskutiert. Mit dabei sind in der Regel Strahlentherapeuten, Onkologen oder Gynäkologen. „In der Frühform des Mammakarzinoms ist es relativ einfach, gemeinsam eine Entscheidung für die beste Therapie zu treffen“, so Tesch. So könne zum Beispiel auf eine brusterhaltende Operation eine Strahlentherapie folgen. Bei aggressiven Tumoren sei eine Chemotherapie hingegen wahrscheinlicher. Bei fortgeschrittenem Krebs, der Metastasen 2 gebildet hat, werde die Sache dann schwieriger. „Es gibt aber klare Empfehlungen der Fachgesellschaften“, so Prof. Tesch, „die dem behandelnden Arzt eine gute Orientierungshilfe geben, welche Therapie in welchem Fall die bestmögliche ist.“

Zu diesen Fachgesellschaften gehören zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologischer Onkologen (AGO) oder die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), die unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) organisiert ist. Sie geben regelmäßig Empfehlungen für die Behandlung verschiedener Krankheiten heraus. „Für alle Erkrankungen, die häufig vorkommen, gibt es heute ein sogenanntes Leitlinien-Programm“, erklärt Prof. Dr. Achim Wöckel, Direktor der Universitätsfrauenklinik Würzburg. Dazu gehören Empfehlungen zur Behandlung infolge eines Herzinfarkts genauso wie zur Therapie von Multipler Sklerose oder eben Brustkrebs. Generell, so Wöckel, sollten Leitlinien dem Arzt einen Behandlungskorridor ermöglichen, damit er in spezifischen Situationen eine Entscheidung treffen kann. Diese Leitlinien sind rechtlich nicht bindend, werden aber zum Beispiel bei Gutachten oder Verfahren wegen Behandlungsfehlern immer wieder zitiert.Sie sollen jedoch als Chance wahrgenommen werden und Handlungsmöglichkeiten zeigen,an denen sich Ärzte orientieren können. Die Erarbeitung obliegt einer Expertenkommission.Einer solchen Kommission gehört auch Prof. Wöckel an. Er koordiniert die sogenannte S3-Leitlinie Mammakarzinom. Mehr als 30 Fachgesellschaften sind an der Entstehung dieser Leitlinie beteiligt, die, wie Wöckel erläuert, die gesamte bekannte Studienlage methodisch analysiert und daraus entsprechende Empfehlungen ableitet.

„Demgegenüber stehen die S1- und S2-Leitlinien, die meist auf dem Konsens von Vertretern einzelner Fachgesellschaften basieren. Den Unterschied macht die Studienlage. Nicht jedes Thema könne zu einer S3-Leitlinie ausgebaut werden“, sagt Wöckel. „Es gibt nicht zu jeder Fragestellung unendlich viele Studien, die ausgewertet werden können. Und eine Auswertung, wie für die S3-Leitlinie, ist langwierig und relativ teuer.“ Daher seien Konsensentscheidungen einzelner Experten wichtig, da sie auch bei schmaler Datenlage die bestmögliche Empfehlung geben könnten.

Die Vorteile für Patienten sind deutlich: Auf Basis der Leitlinienempfehlung erhalten sie die für ihre Diagnose bestmögliche Therapie, die auf der aktuellen Studienlage beruht. Für die Therapie von Brustkrebs gibt es zudem spezielle, zertifizierte Behandlungszentren. Diese Zentren werden regelmäßig hinsichtlich der Qualität der Therapie und der Einhaltung der Leitlinien überprüft. Übrigens: Auch für Patienten gibt es Leitlinien. Sie basieren auf der fachlichen Empfehlung für den Arzt und sind leicht verständlich aufbereitet. So kann sich jeder Betroffene informieren und gemeinsam mit dem Arzt die Entscheidung für eine Behandlung treffen.

Die Leitlinienprogramme der verschiedenen Fachgesellschaften lassen sich online nachlesen.

AWMF: www.awmf.org/leitlinien/angemeldete-leitlinien.html

AWMF für Patienten: www.awmf.org/leitlinien/patienteninformation.html

Onkologische Leitlinien: www.leitlinienprogramm-onkologie.de/patientenleitlinien/

Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de/deutsche-krebsgesellschaft/leitlinien.html

 

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