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04.10.2016

"Lass uns über Rheuma sprechen": Neue Daten zum Arzt-Patienten-Dialog - Rheumatoide Arthritis: Erfolgreiche Behandlung ist Teamwork

Trotz Fortschritten in der Behandlung ist die körperliche und seelische Belastung durch eine Rheumatoide Arthritis (RA) für die Patienten nach wie vor hoch. Ein Grund für Defizite in der Versorgung ist der Mangel an Rheumatologen in Deutschland.1 Doch auch unter ärztlicher Behandlung ist bei vielen Betroffenen die Erkrankung nicht unter Kontrolle und häufig fehlt der offene Dialog zwischen Arzt und Patient, der zu einem besseren Management der RA beitragen könnte. Das sind zent-rale Erkenntnisse der weltweit durchgeführten RA narRAtive-Erhebung, die für Deutschland den offenkundigen Handlungs- und Optimierungsbedarf bei der Versor-gung von RA-Patienten aufzeigt.2,3,4 Unter dem Motto „Lass uns über Rheuma spre-chen“ sollen die Schlussfolgerungen aus der Untersuchung die vertrauensvolle Zu-sammenarbeit zwischen Arzt und Patient fördern und so die Patientenversorgung ver-bessern. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutierten Professor Dr. Jörn Kekow, Vogelsang-Gommern, Dr. Anja Strangfeld, Berlin, Dr. Johannes Wimmer, Hamburg, und Dr. Claudia Bergemann, eine RA-Patientin, die sich bei der Deutschen Rheuma-Liga engagiert, über Möglichkeiten der konkreten Umsetzung.

Damit eine Behandlung erfolgreich durchgeführt werden kann, muss auch das Verhältnis zwischen Arzt und Patient stimmen: Der offene Dialog und die gemeinsame Entscheidung für eine Therapie bilden den Grundstein für eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung, in der sich die Beteiligten auch als Team begreifen. Das gilt insbesondere für chronische Erkrankungen wie die Rheumatoide Arthritis, die meist lebenslang behandelt werden muss und Arzt und Patient zu langjährigen Weggefährten macht. Aber gerade den offenen Dialog mit dem Arzt scheuen offenbar viele Betroffene: Sechs von zehn Patienten (60%) in Deutschland ist es unangenehm, Sorgen und Ängste mit ihrem Arzt zu besprechen. Über ein Drittel (34%) der Patienten befürchten sogar, als schwieriger Patient zu gelten, wenn sie zu viele Fragen stellen, und dass sich dies negativ auf die Qualität der Behandlung auswirken könnte.2

Gemeinsame Therapieentscheidung findet selten statt

Längst ist das Prinzip der gemeinsamen Entscheidung für eine Therapie seitens Arzt und Patient in den Leitlinien festgeschrieben.5,6 Lediglich vier von zehn Patienten haben jedoch gemeinsam mit ihrem Arzt Behandlungsziele definiert. Nur 34% der Patienten geben an, dass sie mit ihrem Arzt besprochen haben, wie die laufende Therapie zur Erreichung der Behandlungsziele beiträgt.3 Des Weiteren zeigte sich, dass Ärzte und Patienten den Behandlungserfolg bei einer RA unterschiedlich definieren. Der Arzt möchte eine klinische Remission oder zumindest eine niedrige Krankheitsaktivität erreichen und beurteilt den aktuellen Status von Patienten anhand von Parametern wie dem DAS28 (Disease Activity Score 28). – ein berechenbarer Parameter, der sich aus den Komponenten TJC (Tender Joint Count), SJC (Swollen Joint Count), ESR (Erythrocyte Sedimentation Rate) und VAS (Visual Analog Scale) zusammensetzt.6 Nach Ansicht von 77% der Patienten ist ein Behandlungserfolg gegeben, wenn eine Reduktion der Gelenkschmerzen und -schwellung eingetreten ist oder – so denken 73% – sich die Lebensqualität verbessert hat. Für den Patienten steht die erlebbare Krankheitsverbesserung damit klar im Vordergrund im Vergleich zu abstrakt kalkulierbaren medizinischen Messgrößen. Die Kontrolle der Krankheitsprogression wurde hingegen von 31% der Patienten als weniger wichtig erachtet.2

Adhärenz durch Patienteninformation stärken

Eine gemeinsame Behandlungsentscheidung setzt auch eine entsprechende Information des Patienten über seine Erkrankung und die verschiedenen Therapieoptionen voraus. Ein gut informierter Patient wiederum zeigt eine hohe Adhärenz (Therapietreue).6 Vielen Ärzten ist das bewusst: So geben 77% der Ärzte in der
RA narRAtive-Erhebung an, dass Patienten weniger adhärent sind, wenn sie nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen worden sind.4 Für die Optimierung der Arzt-Patienten-Kommunikation ist es wichtig, dass Begriffe aus der Medizin besser verstanden werden und die Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet.

Starke Beeinträchtigung in vielen Lebensbereichen

Nur ein knappes Viertel (24%) der Patienten bezeichnet den eigenen Gesundheitszustand als gut oder hervorragend. Fast die Hälfte der Patienten (49%) kann bestimmten Aktivitäten nicht mehr nachgehen und 30% haben aufgrund ihrer Erkrankung den Arbeitsplatz gewechselt oder mit dem Job aufgehört. Dennoch geben acht von zehn (81%) Patienten an, mit ihrer Medikation zufrieden zu sein, obwohl vier von zehn (41%) der medikamentös behandelten Patienten die Arzneimittel nicht gemäß der ärztlichen Verordnung einnehmen. Daher würden viele Patienten gern etwas an ihrer Medikation ändern: 71% wünschen sich eine Reduktion der einzunehmenden Medikamente, die Verfügbarkeit von Monotherapien und Alternativen zur subkutanen Injektion.2 Dem entspricht die Sicht vieler Ärzte: 57% stellen fest, dass sich ihre Patienten mit mittelschwerer bis schwerer RA oft mit einem "ganz gut" zufriedengeben, obwohl sie sich mit anderen Behandlungsoptionen möglicherweise besser fühlen würden. Zu viele Patienten würden anhaltende Schmerzen und abnehmende Fähigkeiten, den täglichen Aktivitäten nachzukommen, als Teil ihres Lebens mit RA betrachten, davon ist über die Hälfte der Ärzte (55%) überzeugt.4

Fazit aus der Podiumsdiskussion

  • Die gründliche und individuelle Aufklärung des Patienten hat einen sehr hohen Stellenwert. Um Patienten die Scheu zu nehmen, bei Verständnisproblemen nachzufragen, ist es wichtig, dass Arzt und Patient in einer gemeinsamen Sprache kommunizieren und der Patient seine Fragen für den Arztbesuch gut vorbereitet.
  • Damit die in den Leitlinien geforderte gemeinsame Therapieentscheidung von Arzt und Patient umgesetzt werden kann, sollte die Wissenskompetenz des Patienten weiter geschult werden. Eine wichtige Informationsplattform bietet beispielsweise die Deutsche Rheuma Liga, die u. a. auch Patientenschulungen anbietet. Im Spannungsfeld knapper Zeitressourcen im rheumatologischen Alltag ist ein weiterer wichtiger Punkt die "Verlagerung der Aufklärung" auf andere Medien. Wichtige Informationen können z.B. über Videos, die auf spezielle Patientensituationen zugeschnitten sind, zur Verfügung gestellt werden. Hier könnten Sachverhalte vermittelt werden, die der Arzt immer wieder kommunizieren muss. Eine Verlagerung der Informationskompetenz bedeutet für den Rheumatologen den Gewinn von Zeit, die für akute Problemstellungen in der Sprechstunde genutzt werden kann.
  • Offenkundig gibt es Bedarf für weitere Therapieoptionen, die den individuellen Ansprüchen von Patienten besser gerecht werden. Denn verschiedene Faktoren wie Nebenwirkungen von Methotrexat7, Skepsis gegenüber subkutanen Injektionen oder die Bevorzugung einer Monotherapie können die Adhärenz beeinträchtigen.8

Über die RA narRAtive-Erhebung

Die RA narRAtive-Erhebung untersucht die Sicht und Einschätzung von Patienten und Ärzten hinsichtlich der Kommunikation sowie des Managements der RA. Für die Erhebung wurden zwischen September 2014 und Januar 2016 online 3.987 Patienten mit Rheumatoider Arthritis aus 15 Ländern, davon 525 in Deutschland, befragt. 2015 wurde die Studie vervollständigt, indem Ansichten und Meinungen von Ärzten (in Deutschland 150), ebenfalls online, einbezogen wurden.

 

 

 

Quellen:

  1. Edelmann E et al. Z Rheumatol 2014, 73:123-134. DOI 10.1007/s00393-013-1260-4. Online publi-ziert 21. März 2014
  2. Kekow J et al. DGRh 2016, Abstract 16047, Poster RA.17
  3. RA narRAtive. Germany Patient Survey Overview and Key Findings. Data on file. Pfizer Inc, New York NY [RA narRAtive Patient Survey 2015]; (Population insgesamt n = 3649, Deutschland n = 525)
  4. RA narRAtive.A Survey among Patients and Physicians. Data on file. Pfizer Inc, New York NY
  5. S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. Handlungsempfehlungen der DGRh zur sequenziellen medikamentösen Therapie der rheumatoiden Arthritis 2012: adaptierte EULAR Empfehlungen und aktualisierter Therapiealgorithmus. S1 - Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (Zugriff am 4. August 2016)
  6. Smolen JS, Breedveld FC, Burmester GR, et al. Ann Rheum Dis 2016;75:3–15.
  7. Nash P, Int J Rheum Dis 16: 652-661 (2013)
  8. Schiffner-Rohe J et al. 2015 ISPOR 18th Annual European Congress (Poster #PMS102)

 

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