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Gesundheitsstandort Deutschland und Europa

“Die moderne Medizin ermöglicht es uns, Krebs bei seinen Wurzeln zu packen.“

In den 90er Jahren legten wir noch mit der Schrotflinte auf einen Tumor an. Heute ist Krebsbekämpfung Präzisionsarbeit. Die individualisierte Behandlung auf Basis genetischer Informationen wird immer mehr zum Behandlungsstandard.

Es ist eine Weile her: Bill Clinton war US-Präsident, Borussia Dortmund Deutscher Meister und der Liter Benzin kostete rund 1,50 – D-Mark wohlgemerkt. Damals, vor 30 Jahren, schloss ich mein Medizinstudium in Maastricht, Niederlande, ab und begann als Arzt zu arbeiten. Eine Krebsdiagnose bedeutete in vielen Fällen das Todesurteil. Zur Behandlung standen uns die Operation, die Strahlen- und die Chemotherapie zur Verfügung.

Der Unterschied zu heute? Gewaltig.

Allein wir bei Pfizer haben in den vergangenen fünf Jahren sieben innovative Wirkstoffe und vier Biosimilars eingeführt, die Patientinnen und Patienten neue Lebensperspektiven eröffnen können. In den 1990er Jahren legten wir noch mit der Schrotflinte auf einen Tumor an. Heute ist Krebsbekämpfung Präzisionsarbeit. Die gezielte Therapie auf molekularer Ebene, die individualisierte Behandlung auf Basis genetischer Informationen wird immer mehr zum Behandlungsstandard.

Zum Glück. Denn das ermöglicht es uns, Krebs bei seinen Wurzeln zu packen. Es ermöglicht uns, gezielter vorzugehen. Und was gezielter ist, birgt das Versprechen, erfolgreicher zu sein. Und meistens auch nebenwirkungsärmer. Das ist für mich ein ganz entscheidender Punkt: Wir wollen in der Krebsbekämpfung immer besser werden. Das aber heißt nicht nur wirkungsvoller. Es heißt auch: Die Lebensqualität der Betroffenen ist für uns ein wichtiger Parameter, den wir nie aus den Augen verlieren dürfen. Sie ist ein entscheidender Treiber unserer Forschung. Insofern ist die Krebsforschung viel anspruchsvoller geworden.

Wir wollen Krebs nicht nur wirkungsvoll bekämpfen, wir wollen, dass die betroffenen Menschen die Chance haben, ein Leben zu führen, das so normal wie irgend möglich ist.

Krebs fordert uns alle. Nur, wenn wir an vielen Stellschrauben gleichzeitig drehen, wird es uns gelingen, dieser gewaltigen gesellschaftlichen und medizinischen Herausforderung zu begegnen. Innovative Medikamente sind eine wichtige, aber eben nicht die einzige Schraube. Denn um ihr Potenzial voll entwickeln zu können, ist eine frühe Diagnose wichtig. Auch bei der Vorsorge ist noch viel Luft nach oben: Wir wissen heute, dass wir ein Drittel der Krebsneuerkrankungen vermeiden könnten, wenn wir das volle Potenzial der Prävention ausschöpfen würden.

Krebsbekämpfung ist vielmehr als die Entwicklung neuer Therapien. Deshalb unterstützen wir die Ziele der Nationalen Dekade gegen Krebs. Weil sie Kräfte bündelt, um die Forschung voranzutreiben. Und dafür sorgen will, dass die Betroffenen einen schnellen und einfachen Zugang zur bestmöglichen Versorgung haben. Wir fördern den Verein Vision Zero, einen Zusammenschluss führender Onkologen und Gesundheitsprofis. Sie arbeiten unter der Prämisse, dass jeder Krebsfall einer zu viel ist; sie wollen jeden Stein umdrehen, damit das, was die Wissenschaft und Forschung heute schon kann, auch dort ankommt, wo es am dringendsten gebraucht wird: Bei den Menschen und ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten. Wir bringen unser Wissen in öffentlich-privaten Partnerschaften ein, etwa, wenn es darum geht, über den Einsatz von künstlicher Intelligenz dazu beizutragen, dass mehr Patientinnen und Patienten in Europa eine leitliniengerechte Krebsbehandlung erhalten.

Die Krebsforschung von heute und morgen ist innovationsoffen und denkt in globalen Netzwerken und Kooperationen – oder sie läuft ihren Möglichkeiten hinterher. Das aber kann niemand wollen.

„Wir können es uns nicht leisten, auf Female Leadership zu verzichten.“

Frauen sind in Führungspositionen immer noch deutlich unterrepräsentiert. Obwohl 75 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen weiblich sind, werden aktuell nur 25 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt.

„Toll, wie Sie im Job durchstarten – als Frau, und noch dazu als Mutter!“ Man könnte meinen, Sätze wie diesen bekämen Frauen im Jahr 2021 nicht mehr zu hören. Tun sie aber. Besonders, wenn sie alleinerziehend sind und eine Führungsposition innehaben – das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, und das macht mich nachdenklich. Denn dieses gut gemeinte Kompliment zeigt, dass es auch im Deutschland des 21. Jahrhunderts noch keine Selbstverständlichkeit ist, dass eine Frau – mit Familie oder ohne, alleinerziehend oder nicht – genau den gleichen Job macht wie ein Mann.

Frauen sind in Führungspositionen immer noch deutlich unterrepräsentiert. Besonders offensichtlich ist die ungleiche Verteilung im Gesundheitswesen: Rund 70 Prozent der Studierenden in der Medizin sind heute weiblich, in der Pharmazie sogar 90 Prozent. Ein Verhältnis, das sich in der Berufswelt so nicht wiederfindet, vor allem in höheren Positionen: Obwohl 75 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen weiblich sind, werden aktuell nur 25 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt. Auch die forschende Pharmaindustrie ist überdurchschnittlich weiblich – gerade verglichen mit anderen Branchen. Aber auch hier gilt: Je höher die Stufe in der Karriereleiter, desto geringer der Frauenanteil.

Die Ursachen sind komplex und liegen nicht immer auf der Hand. Trauen sich Frauen weniger zu, geprägt durch alte Rollenbilder? Müssen Frauen mehr Hürden nehmen, um an die Spitze zu kommen? Welche Rolle spielen Netzwerke, Förderung und Vorbilder? Das sind Fragen, mit denen wir uns auseinandersetzen – als Unternehmen, und als Gesellschaft. Denn:

Gleichberechtigung auf allen Ebenen ist nicht nur eine Frage der Fairness, sie ist eine Voraussetzung für Erfolg.

Wir können es uns gar nicht leisten, auf ‚Female Leadership‘ zu verzichten, in keinem Bereich des gesellschaftlichen Lebens. Um beispielsweise ein attraktiver und erfolgreicher Arbeitgeber zu sein, ist es wichtig, dass sich die Vielfalt der Gesellschaft auch in den einzelnen Unternehmen und Organisationen widerspiegelt. Alle müssen die gleichen Chancen haben, ihr volles Potenzial entfalten können. Dazu braucht es eine Kultur, in der sich alle offen und vertrauensvoll begegnen und unterschiedliche Ansichten und Persönlichkeiten wertgeschätzt, gefördert und einbezogen werden.

Ich persönlich habe nie akzeptiert, dass die Luft für mich als Frau irgendwo dünner sein könnte. Und hatte Glück, bei einem Arbeitgeber zu sein, der schon seit Jahren Wert auf Vielfalt, Offenheit und Gleichberechtigung legt. Wichtig ist dabei aus meiner Sicht, dass das Thema zwar Initiatoren braucht, ein Klima, das Gleichberechtigung fördert und mit veralteten Rollenbildern bricht. Aber damit ist es nicht getan. Jeder einzelne kann und sollte einen Beitrag zu dieser Kultur der gegenseitigen Wertschätzung leisten – damit in Zukunft keine Frau mehr erklären muss, wie sie ihren Job macht.

Wer Lust hat, mitzudiskutieren und mehr über ‚Female Leadership in Zukunftsbranchen‘ zu erfahren, kann das am 20. April 2021 von 17 - 18 Uhr nach Anmeldung über folgenden Link tun: Login (onlinexperiences.com)

Peter Albiez Portrait

„Wir müssen alle Kräfte mobilisieren, um das Impftempo zu beschleunigen.“

„Wir müssen alle Kräfte mobilisieren, um das Impftempo zu beschleunigen.“

Seit dem Startschuss für die Corona-Schutzimpfungen in Hausarztpraxen ist im Impfgeschehen eine neue Dynamik zu beobachten. Wie können wir das Momentum halten, wenn die Zahl der verfügbaren Dosen in den nächsten Wochen weiter rapide ansteigt?

Seit dem Startschuss für die Corona-Schutzimpfungen in Hausarztpraxen ist im Impfgeschehen eine neue Dynamik zu beobachten. Am vergangenen Donnerstag etwa wurde mit 719.000 Impfungen ein neuer deutscher Tagesrekord aufgestellt, und auch die aktuellen Wochenend-Werte im Impfdashboard sind beeindruckend. Doch wie können wir das Momentum halten, wenn die Zahl der verfügbaren Impfstoffdosen in den nächsten Wochen weiter rapide ansteigt?

Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass im April 15 Millionen Dosen Impfstoff in Deutschland verfügbar sein werden.
Im zweiten Quartal sind es 70 Millionen. Es ist absehbar, dass die Impfzentren und sogar die Hausarztpraxen bei dieser Größenordnung an ihre Grenzen kommen. Daher brauchen wir jetzt die notwendige Infrastruktur, um die verfügbaren Dosen möglichst effektiv einzusetzen und niedrigschwellige Impfangebote zu bieten.

Es mangelt nicht an guten Beispielen: US-Präsident Joe Biden zeigt, wie eine effektive Mobilisierung aussehen kann. In New York können sich Menschen jeden Tag rund um die Uhr impfen lassen, auch in der Apotheke um die Ecke, in Sportstadien und in Schulen. Es werden keine Pausen eingelegt. Unterschiedliche ExpertInnen sind in die Impfungen eingebunden und es wird ein Tagesrekord nach dem nächsten geknackt: Am Sonntag waren es laut dem Weißen Haus 4,6 Millionen Impfungen.

Derweil sortieren wir uns in Deutschland noch und diskutieren, wie wir die Aufgaben verteilen. Wir möchten vielleicht etwas zu genau vorgehen. „Geschwindigkeit schlägt Perfektion“, das hat Mike Ryan, Direktor für Notfallmanagement der WHO, bereits Mitte März 2020 aus seiner langjährigen Erfahrung mit Ebola berichtet. „Perfekt ist der Feind von Gut in Sachen Katastrophenmanagement." Beherzt anpacken und keine Angst vor Fehlern haben – genau da müssen wir jetzt hinkommen.

Das Impfmanagement in Deutschland muss schneller und flexibler werden, damit wir im Kampf gegen die Pandemie einen dringend notwendigen Vorsprung gewinnen können.

Ein wichtiger Aspekt ist die Einbindung von Fach- und BetriebsärztInnen, und auch ApothekerInnen, in die Corona-Schutzimpfung.

  • Viele Unternehmen sind bereit, ihre MitarbeiterInnen zu impfen. Der Vorteil: Sie genießen das Vertrauen ihrer Belegschaft, bieten einen niedrigschwelligen Zugang und haben oft jahrelange Erfahrung im Aufsetzen von Impfprogrammen. Sowohl die notwendige Bereitschaft als auch die Infrastruktur wären also vorhanden – dieses Potenzial sollte man nicht liegen lassen.
  • In Italien können sich Menschen seit Kurzem in Apotheken gegen Covid-19 impfen lassen. Selbst die weniger komplexe Grippeimpfung, die in Ländern wie Frankreich und der Schweiz schon seit einigen Jahren in Apotheken möglich ist, wird hierzulande noch in Modellprojekten evaluiert. Das Masernschutzgesetz, auf dem die Projekte fußen, erlaubt solche Ansätze. Es gibt jedoch keinen rechtlichen Rahmen für reguläre und flächendeckende Impfungen in der Apotheke.

Die vielen verfügbaren Impfstoffdosen sind eine reale Chance, im Kampf gegen die Pandemie einen großen Schritt voranzukommen. Wir müssen jetzt alle Kräfte mobilisieren und das Tempo beschleunigen, um diese Chance auch ergreifen zu können.

„Wir dürfen nicht aufhören, uns zu verbessern, wenn wir gut bleiben wollen.“

Welche Rolle spielen Faktoren wie Digitalisierung, Kommunikation und Impfstoffverteilung in Ländern, die gerade vergleichsweise gut durch die Pandemie kommen? Ein Blick über den Tellerrand.

„Dieses Virus hat uns alle beleidigt“, hat Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx letzte Woche auf einer virtuellen Veranstaltung für Pfizer-KollegInnen gesagt. Und damit wie ich finde sehr gut das Gefühl in Worte gefasst, das viele Menschen gerade bewegt: Sie beschreiben eine Mischung aus Lockdown-Müdigkeit, kollektiver Verunsicherung und dem Zurücksehnen eines gesellschaftlichen Lebens aus Vor-Pandemie-Zeiten.

Wir sind ein ganzes Stück weiter als noch vor einem Jahr, als wir uns im ersten Lockdown befanden. Das besagte Licht am Ende des Tunnels liegt nun in Reichweite. Wenn nicht direkt, dann doch zumindest irgendwo hinter der nächsten Wegbiegung. Dennoch bleibt die Frage: Warum kommen wir, nachdem wir in Deutschland vergleichsweise so gut durch die erste Welle der Pandemie gekommen sind, jetzt nur so schleppend voran? Was können wir von anderen lernen, die derzeit gut aus der Krise kommen?

Ein Blick auf das aktuelle Covid Resilience Ranking, das das US-amerikanische Medienunternehmen Bloomberg monatlich erstellt und dabei die 53 größten Volkswirtschaften hinsichtlich ihres Erfolgs bei der Eindämmung der Pandemie bewertet, zeigt, dass da tatsächlich noch Luft nach oben ist. Deutschland liegt mit Platz 23 eher im Mittelfeld.

Warum einige Länder vorne liegen, lässt sich auf klar definierte Bereiche herunterbrechen, von denen ich hier vier herausgreifen möchte:

1. Kommunikation

Neuseeland, Spitzenreiter im Covid Resilience Ranking, setzte in seinem Kampf gegen COVID-19 von Anfang an auf eine strukturierte Kommunikationskampagne: Das von Premierministerin Jacinda Ardern geforderte vierstufige Alarmierungssystem hat dazu beigetragen, inmitten von Unsicherheit Ordnung und Orientierung zu geben. Das Warnsystem bindet Maßnahmen für die öffentliche Gesundheit an vier progressive Risikostufen und vermittelt den Menschen ein klares Bild davon, wie die Regierung handeln würde, wenn sich der Ausbruch in eine gewisse Richtung entwickelt.

Südkorea hat ein System zur schnellen Reaktion auf Epidemien geschaffen, das auch die Kommunikation integriert. Seit dem Ausbruch des Middle East Respiratory Syndroms (MERS) im Jahr 2015 wurde das System reformiert: Südkoreas Zentren für Seuchenkontrolle beherbergen nun ein Büro für Kommunikation, das Fehlinformationen verhindern soll. Während COVID-19 war die Kommunikation effektiv und effizient, da bereits Kanäle zur Verbreitung (z. B. ein Notfall-SMS-System) existierten.

2. Digitalisierung

Finnland ist im Bloomberg-Ranking eines der europäischen Länder, das die Corona-Pandemie bislang am besten bewältigt hat. Neben einem frühen Lockdown profitiert das Land von der fortgeschrittenen Digitalisierung: Der Übergang zum Arbeiten von zu Hause aus und zum Heimunterricht ist auch dank der hohen Digitalisierungsstandards in Finnland reibungslos gelaufen. Die Track-and-Trace-App "Corona Flash", welche der deutschen Corona App gleicht, wurde von fast jeder zweiten Person in Finnland heruntergeladen.

In Israel gibt es vier gesetzliche Krankenkassen, die gemeinsam die Impf-Infrastruktur stellen. Jede Kasse hat eine App, mit der Impftermine vergeben werden. Das israelische Gesundheitssystem war schon lange vor Beginn der Pandemie fast vollständig digitalisiert und konnte somit schneller und flexibler reagieren. So gibt es bereits eine elektronische Patientenakte, und Krankenakten sind an einem zentralen Ort digital gebündelt.

3. Impfstoffverteilung

Großbritannien: Neben den Impfzentren dürfen in Großbritannien seit Dezember Hausärzte und seit Januar Apotheken impfen. Arztpraxen führen Listen mit Patienten, die schnell zur Praxis kommen können, falls am Abend Impfdosen übrigbleiben. Neben dem offiziellen Brief vom staatlichen National Health Service NHS kontaktieren Hausarztpraxen ihre Patientinnen und Patienten zusätzlich per SMS oder Telefon, wenn sie an der Reihe sind. Außerdem werden leere Stadien, Rennbahnen, Einkaufszentren, Supermärkte und sogar Kirchen wie die berühmte Westminster Abbey in Impfzentren umfunktioniert.

Auch Chiles Impfprogramm ist im internationalen Vergleich sehr erfolgreich. Bereits mehr als ein Viertel der Bevölkerung hat die erste Dosis einer Covid-19-Impfung erhalten, ein Zehntel ist vollständig immunisiert. Kein anderes Land impfte zuletzt so schnell, nämlich 1,4 Dosen pro 100 Einwohner täglich. Chile hat die Infrastruktur bereits vor Jahrzehnten geschaffen, um jährlich gegen Grippe zu impfen. Deswegen gibt es auch in ländlichen Regionen Gesundheitszentren, die jeweils für ein bestimmtes Gebiet zuständig sind. Zusätzlich wird auch in Fußballstadien, Universitäten, Schulen oder Drive-ins geimpft. Eine weitere Besonderheit: Es gibt keine Impftermine. Das chilenische Gesundheitsministerium veröffentlicht einen Kalender, aus dem klar hervorgeht, welche spezifische Gruppe an welchem Tag für die Impfung in Frage kommt, ohne dass ein Termin erforderlich ist. Jeder Impfberechtigte kann daraufhin nur mit seinem Ausweis zu einem beliebigen Impfzentrum gehen, um sich impfen zu lassen.

4. Teststrategien und Nachverfolgung

In Südkorea gab es von Anfang an eine hohe Testkapazität – so konnten auch milde und symptomlose Fälle in der Bevölkerung entdeckt werden. Anhand von sehr vielen Tests sowie der Isolierung von Erkrankten und deren Kontaktpersonen konnte so schnell der Ausbruch von Covid-19 eingedämmt werden. Zudem ist die Hürde, an einen PCR-Test oder Schnelltest zu kommen, in Südkorea wesentlich niedriger: Die Menschen können sich auf öffentlichen Plätzen testen lassen - anonym und unbürokratisch.

Früher als viele andere Länder hat Dänemark auf das Testen gesetzt. Mobile Teststationen und Schalter, die man mit dem Auto anfahren kann, sollen dabei helfen, Hürden abzubauen. Außerdem setzt Dänemark auf strenge Einreiseregeln, strikte Lockdown-Maßnahmen und schnelle Impfungen. Nach Monaten strenger Corona-Beschränkungen wurde deswegen zum 1. März 2021 eine vorsichtige, schrittweise Wiedereröffnung der Gesellschaft beschlossen – trotz steigender Inzidenzzahlen.

Das sind nur einige ausgewählte Beispiele, von denen wir lernen können – auch wenn sich die Länder in ihren geografischen und kulturellen Gegebenheiten von Deutschland unterscheiden. Der Blick nach außen zeigt, was bei der Überwindung dieser Krise möglich ist.

Wir können viel lernen – und müssen jetzt beherzt handeln!

Es ist ein intensiver und notwendiger Lernprozess für uns. Für jeden einzelnen, für Organisationen und auch für unsere Gesellschaft als Ganzes gilt: Wir dürfen nicht aufhören, besser zu werden, wenn wir gut bleiben wollen.

„Wir brauchen mehr Dynamik und einen klaren Fahrplan.“

Am 11. März 2020 hat die WHO COVID-19 offiziell zur Pandemie erklärt. Ein Jahr später hat uns das Virus noch immer fest im Griff. Zeit zu fragen: Was haben wir gelernt? Wie gehen wir gestärkt aus dieser Krise hervor? Und wo stehen wir in Deutschland?

Wenn mir damals, zu Beginn der Pandemie, jemand gesagt hätte, dass wir ein Jahr später in Europa und der Welt bereits einen, ja sogar mehrere Impfstoffe gegen COVID-19 im Einsatz haben – ich hätte es nicht für möglich gehalten. Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurde in so kurzer Zeit ein neuer Impfstoff entwickelt und zugelassen.

Dass wir heute stehen, wo wir stehen, dass es ein Licht am Ende des Tunnels gibt, war und ist für uns alle ein großer Kraftakt. Die Pandemie hat uns gezeigt, dass wir unter Druck Großes erreichen können: Wir haben gesehen, dass aus Deutschland heraus eine völlig neue Impfstofftechnologie die Medizin revolutioniert. Die mRNA-Technologie eröffnet bisher nie dagewesene Möglichkeiten der Prävention. Die Geschwindigkeit, mit der das vollbracht wurde, hat alle Erwartungen übertroffen und neue Maßstäbe gesetzt. Und wir haben auch gesehen, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern gut durch die erste Pandemiewelle gekommen ist. Das Land hat konsequent und frühzeitig heruntergefahren, früh getestet. Wir haben es in der ersten Welle geschafft, die Infektions- und Todeszahlen vergleichsweise gering zu halten.

Wir sehen nun aber auch, dass sich Deutschland mit dem Weg aus der Krise schwerer tut als andere. Dass es an einigen Stellen holpert.

Es fehlt das Momentum in Deutschland, das Zuversicht vermittelt. Ein klares Zukunftsbild, wie wir die Pandemie überwinden wollen.

Die Pandemie und die Phase, in der wir uns gerade befinden, zeigt uns Schwachstellen wie durch ein Brennglas auf. Schwachstellen, die auch schon vor der Pandemie da waren, aber nicht diese Dringlichkeit, ja zum Teil Dramatik entwickelt haben oder eben anders kompensiert wurden – es besteht unter anderem erheblicher Handlungsbedarf in Puncto Digitalisierung, einer Reform des Bildungssystems und dem Aufbau agiler administrativer Strukturen.

Drei Gedanken, wie wir jetzt ein Momentum schaffen können, das uns schneller aus der Pandemie bringt:

  • Pragmatisch sein: Um jetzt mehr Fahrt aufzunehmen, können wir in Deutschland bestehende Infrastrukturen nutzen – dazu zählen beispielsweise auch große Unternehmen mit einem breiten Netz an Betriebsärzten. Wir sollten auch die Zugangsschwellen zu Impfungen senken. Das gilt nicht nur für COVID-19, sondern auch für andere Impfungen. Wir haben funktionierende Strukturen wie das Hausärztesystem oder auch Apotheken in der Fläche.
  • Groß denken: Große Herausforderungen brauchen große Schritte und ein zielorientiertes Handeln. Das sehen wir auch in den Ländern, die bei der Bewältigung der Krise aktuell schneller vorankommen als wir, etwa die USA, Großbritannien oder Israel. In Deutschland neigen wir dagegen gerade im Gesundheitssystem dazu, uns mit vielen kleinteiligen Aspekten zu beschäftigen. Aktuell fehlt es uns an Dynamik und einem klaren Fahrplan, der auf ein Ziel hinführt.
  • Flexibel bleiben: Wir alle befinden uns zum ersten Mal in einer solch außergewöhnlichen Pandemie-Situation. Wir alle sind gefordert, uns permanent auf sich ständig wandelnde Bedingungen einzustellen und gleichzeitig zu lernen, wie wir unsere Systeme resilienter gestalten können – damit wir in Zukunft besser vorbereitet sind.

Die Pandemie bewältigen, sie nicht nur als Krise, sondern auch als Chance begreifen - das ist eine Aufgabe, die wir nur gemeinsam stemmen können. Hier brauchen wir alle Akteure des Gesundheitssystems, die Politik, gesellschaftliche Organisationen, die Wirtschaft und die Medien. Wenn wir jetzt handeln, anpacken, aus Fehlern lernen und die richtigen Schlüsse für die Zukunft ziehen, dann bin ich zuversichtlich, dass wir diese Jahrhundertaufgabe als Gesellschaft meistern werden und gestärkt daraus hervorgehen.

„Europa muss sich in puncto Wissenschaft und Gesundheitsforschung stärker als Einheit begreifen.“

Das Team des Berliner Virologen Christian Drosten gehört zu den Top 2 der weltweiten Forscherelite. Aber eine FAS-Analyse zeigt auch: Im Zentrum der Corona-Forschung stehen USA und China. Europa kann mehr.

Das Team des Berliner Virologen Christian Drosten gehört zu den Top 2 der weltweiten Forscherelite. Aber eine FAS-Analyse zeigt auch: Im Zentrum der Corona-Forschung stehen USA und China. Europa kann mehr.

Das Team des Berliner Virologen Christian Drosten gehört – um nur ein Beispiel zu nennen – zur absoluten Weltspitze in der Coronaforschung. Das hat eine Netzwerkanalyse ergeben, die das FAS-Institut aus Wien durchgeführt hat.

Nein, es geht hier nicht (allein) um Rankings. Vielmehr ist es ein Beleg dafür, dass deutsche Forschung zu Spitzenleistungen fähig ist. Es zeigt die „Power of Science“ und die hat viele Begleiteffekte. Denn wer sie auf die Straße zu bringen vermag, ist gut gerüstet, um Gesundheitskrisen zu meistern.

Aber die Analyse hat auch ergeben: Im Zentrum der Corona-Forschung stehen USA und China. Europäische Netzwerke wiederum sind stark fragmentiert. Europäische Spitzenzentren arbeiten tendenziell lieber mit den USA und China zusammen als untereinander. Die Folge ist: Wissen, Ressourcen, Erfahrung fließen ab. Aber Europa kann mehr.

„Power of Science“: Der Schlüssel für ein stärkeres Gesundheitssystem

Das stärkt andere und schwächt unseren Wissenschafts- und Forschungsstandort. Deshalb muss sich Europa in puncto Wissenschaft und Gesundheitsforschung stärker als Einheit begreifen. Wir brauchen eine größere Einheitlichkeit der Märkte. Und wir brauchen mehr Translationale Medizin: Die Umsetzung von präklinischer und klinischer Forschung in die Praxis ist stark ausbaufähig. Soll heißen: Der Weg von den Erkenntnissen in den Laboren bis zum Krankenbett dauert zu lange und findet zu selten in Europa und Deutschland statt.

Dem Virus werden wir mittels Wissenschaft und Forschung zu Leibe rücken können. Davon bin ich überzeugt. Science will win. Gesundheitsforschung und -wirtschaft auf Weltniveau schaffen nicht nur Gesundheit, sondern auch Wohlstand. Wir müssen lernen, Gesundheit ganzheitlicher zu denken.

Der Report zur Netzwerkanalyse ist in Druckform unter Angabe der Postadresse auf Anfrage erhältlich (Kontakt), die digitale Version können Sie hier herunterladen.