Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.

Prävention

Portrait Ramin Heydarpour

Impfen in der Apotheke: Für ein Mehr an Gesundheit

Impfen in der Apotheke: Für ein Mehr an Gesundheit

Impfungen gehören zu Recht zu den großen Errungenschaften der Medizin. Und dennoch - wir laufen bei allen wesentlichen Impfungen den wissenschaftlich begründeten Impfzielen hinterher. Das ist keine gute Nachricht.

Im Grunde sind sie Alleskönner: Impfstoffe vermeiden Krankheiten, bevor sie entstehen. Sie können schwere Verläufe und Komplikationen verhindern. Sie helfen uns bei der Antibiotika-Krise, weil sie bakterielle Folgeerkrankungen – z.B. eine Lungenentzündung nach einer Grippe – eindämmen. Sie schenken sogar Freiheit, wie uns die Pandemie gelehrt hat. Und selbst Krebs können sie vermeiden helfen. Das wissen wir spätestens seit der Entwicklung der HPV-Vakzine.

Impfungen gehören zu Recht zu den großen Errungenschaften der Medizin. Und dennoch - wir laufen bei allen wesentlichen Impfungen den wissenschaftlich begründeten Impfzielen hinterher. Zumindest in Deutschland. Das prominenteste Beispiel: die COVID-19-Impfung. Über unsere Impfquote wundert sich die halbe Welt.

Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden: Impfungen gehören zu Recht zu den großen Errungenschaften der Medizin.

Die Liste ist lang. Für einen Gemeinschaftsschutz sollten sich 75 Prozent der älteren Menschen gegen Influenza impfen lassen. In Deutschland sind es 38,8 Prozent. Noch schlechter sieht es bei den Pneumokokken-Impfstoffen aus. Auch bei Masern haben wir die Impfziele bisher nicht erreicht – trotz einer partiellen Impfpflicht. Hinzu kommt: Im Schatten der größten Impfkampagne in der Geschichte – de facto wurden in den vergangenen zwei Jahren so viele Impfungen durchgeführt wie noch nie – gehen die Quoten bei fast allen Standardimpfungen zurück. Das ist keine gute Nachricht.

Die Frage ist deshalb: Tun wir genug, um dieser wichtigen Disziplin der Prävention zum Erfolg zu verhelfen? Muss das Impfen in Deutschland nicht viel einfacher werden? Wenn die Menschen nicht zur Impfung kommen, muss dann nicht die Impfung zu den Menschen kommen?

Andere Länder sind weiter: Dort ist das Impfen in der Apotheke möglich

Bisher durften in Deutschland nur Ärzt:innen impfen. Erst vor zwei Jahren wurden erste vorsichtige Modellprojekte initiiert, die in einzelnen Regionen des Landes zumindest die Grippeimpfung in der Apotheke möglich machten. Seit Februar dürfen Apotheker:innen auch gegen COVID-19 impfen – bisher allerdings nur bis zum Jahresende. Andere Länder sind da weiter: In 45 Ländern ist das Impfen in einer Apotheke längst möglich.

Die dort gemachten Erfahrungen zeigen: Es funktioniert. In Irland etwa impfen Apotheker:innen seit 2011 gegen Grippe. Dort ist die Zahl der Impfungen im gesamten Gesundheitssystem deutlich gestiegen. Auch in Ontario, Kanada, stieg die Grippe- und in den USA die Pneumokokken-Impfquote. In Frankreich darf seit Oktober 2019 landesweit in allen Apotheken geimpft werden. Das ebnete den Weg dafür, dass sie schon im März 2021 mit Corona-Impfungen beginnen konnten. Bisher 15 Millionen Dosen sind in französischen Apotheken verabreicht worden – ein wichtiger Beitrag zur Eindämmung der Pandemie. Deshalb hat die oberste Gesundheitsbehörde die Erweiterungen der Impfkompetenzen für Apotheker:innen empfohlen: Ab Ende 2022 können Apotheken dort alle Totimpfstoffe verimpfen – mit wenigen Ausnahmen. Und auch aus dem deutschen Modellprojekt wissen wir: Die Impfquoten steigen, wenn die Apotheken mitmachen.

Impfen in der Apotheke: Ein Gesundheitsschutz-to-go

Das ist auch kein Wunder. Bei etwas über 18.000 Apotheken im Lande sind sie fast immer um die Ecke. Die Hürden, sich den berühmten Pieks zu holen, sind geringer. Bei den Menschen genießen Apotheker:innen ein hohes Vertrauen, und sie bieten Service ohne Termin. Sie ziehen womöglich auch jene an, die sich nicht eigens an ihren Arzt oder ihre Ärztin wenden, um geimpft zu werden. Der Impfschutz lässt sich ungleich leichter in den Alltag der Menschen integrieren. Möglich ist ein Impfschutz-to-go. Impfen in der Apotheke? Das sollte auch bei uns Standard werden.

Im Übrigen ist es eine Maßnahme, die sich rechnen würde, denn gesunde Menschen kosten dem Gesundheitssystem weniger Geld. Modellrechnungen zeigen: Durch Impfungen in Apotheken könnten etwa 7,55 Millionen Menschen zusätzlich gegen Grippeviren, Pneumokokken- und FSME-Erreger geimpft werden. Allein bei den Pneumokokken, die unter anderem Lungenentzündungen verursachen, könnten damit mindestens 20.487 Krankheitsfälle vermieden werden. Das bedeutet auch: Über 75.000 weniger verlorene Arbeitstage und 19,6 Millionen Euro weniger Krankenhauskosten. Kämen alle EU-Staaten auf die empfohlene Grippeschutzquote von 75 Prozent, blieben ihnen jährlich über eine Million verlorene Arbeitstage, 1,7 Millionen grippebezogene Krankheitsfälle und 31.400 Krankenhausaufenthalte erspart.

Die Mehrheit der Menschen, die sich nicht impfen lassen, sind keine „Impfgegner“. Es fehlt ihnen schlicht die Gelegenheit. Apothekenimpfungen geben Impulse zu Neu- und Folgeimpfungen. Sie sind ein Hebel, um Deutschlands mittelmäßigen Impfquoten zu steigern. Wir sollten das nutzen. Schließlich steht potenziell jede einzelne Impfung, die im Regal liegen bleibt, für einen Krankheitsausbruch, der hätte vermieden werden können.

Pfizer_Portrait John McGinley

Antimikrobielle Resistenzen: Die stille Pandemie

Antimikrobielle Resistenzen: Die stille Pandemie

Wir befinden uns mitten in einer der größten Gesundheitskrisen der Menschheitsgeschichte. Es ist nicht die einzige. Antimikrobielle Resistenzen stehen für eine der nächsten großen Bedrohungen globalen Ausmaßes.

Wir befinden uns mitten in einer der größten Gesundheitskrisen der Menschheitsgeschichte. Es ist nicht die einzige. Bei weitem nicht.

Antimikrobielle Resistenzen, kurz: AMR, stehen für eine der nächsten großen Bedrohungen globalen Ausmaßes. Die Weltgesundheitsorganisation befürchtet, dass bis 2050 rund zehn Millionen Menschen an Infektionen durch multiresistente Keime sterben könnten. Diesen Krankheitserregern ist es egal, was die Medizin gegen sie auffährt. Alle heute bekannten Therapien sind gegen sie nahezu wirkungslos.

Zehn Millionen Menschen? Das entspricht der Einwohnerzahl einer Megacity wie Bangkok.

AMR-Bekämpfung: Die Instrumente sind (fast) alle da

Die gute Nachricht ist: Wir haben (fast) alle Instrumente in der Hand, um die Krise abzuwenden.

Zunächst zu den Fakten: Schon jetzt trifft es in Deutschland jedes Jahr über 50.000 Menschen, die an einer Infektion mit Resistenzen gegenüber mehreren Antibiotika (oder Antiinfektiva) leiden – mehr als 2.000 sterben an den Folgen. In den nächsten Jahren werden sich die Resistenzwerte noch erhöhen. Eine Resistenz gegen verfügbare Wirkstoffe kann jeden von uns treffen. Jederzeit.

Das ist bekannt. Wenn wir nicht gegensteuern, stehen nichts weniger als die Errungenschaften der modernen Medizin auf der Kippe. Erste Gegenmaßnahmen sind eingeleitet. Aber zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir konstatieren: Sie reichen nicht aus. Obwohl wir die Risiken kennen.

Wenn es um gesundheitliche Risiken geht, pflegen wir gern das „Wird-mich-schon-nicht-treffen“-Prinzip.

Zu gesundheitlichen Risiken haben wir Menschen eine mitunter merkwürdige Beziehung. Um das zu sehen, muss man sich nur die Impflücken in Deutschland anschauen. Damit sind nicht nur die rund 15 Millionen Menschen gemeint, die sich trotz der bekannten möglichen Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion nicht impfen lassen. Wir rennen in Deutschland in fast allen Indikationen, in denen uns Impfstoffe zur Verfügung stehen, nationalen und internationalen Empfehlungen hinterher: Grippe? Pneumokokken? HPV? Wenn es um gesundheitliche Risiken geht, pflegen wir gern das „Wird-mich-schon-nicht-treffen“-Prinzip.

Das aber können wir uns nicht leisten. Wir bei Pfizer setzen uns für eine größere Bedeutung von Prävention ein und haben fünf Stellschrauben identifiziert, um den antimikrobiellen Resistenzen wirkungsvoll begegnen zu können:

  • Wir müssen Infektionskrankheiten in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen und AMR gezielter managen. Wir müssen die Antimicrobial-Stewardship-Programme für einen rationalen und verantwortungsvollen Einsatz in allen Einrichtungen unseres Gesundheitswesens verbessern und standardisieren. Dazu gehören Qualitätsmanagement, eine bessere Aus- und Fortbildung und schlicht mehr Geld.
  • Noch immer wird jede zweite Antibiotikabehandlung ohne Diagnose des Erregers begonnen; in der Folge wird die Infektion falsch behandelt, neue Resistenzen entstehen. Der Zugang zu und die Schnelligkeit von Diagnosen müssen verbessert werden. Der Faktor Zufall ist in Sachen AMR ein schlechter Berater.
  • Die Wirkung von Impfstoffen bei der Bekämpfung und Eindämmung von AMR muss besser genutzt werden. Niedrige Durchimpfungsraten untergraben Fortschritte bei der Bekämpfung von Resistenzen. Die Prävention muss gestärkt werden, um Infektionskrankheiten schon vor ihrer Entstehung zu verhindern.
  • Schon heute wird fast 40 Prozent der AMR-Last durch Resistenzen gegen Reserveantibiotika verursacht. Patientinnen und Patienten benötigen daher dringend Zugang zu neuen wirksamen Behandlungsmöglichkeiten. Unternehmen, die neuartige Antibiotika entwickeln, sind hierzulande mit Herausforderungen in Bezug auf Preisgestaltung und Finanzierung konfrontiert.
  • Forschung und Entwicklung brauchen Anreize. Bei neuen Antibiotika-Klassen erreicht nur jeder 30. Wirkstoffkandidat aus der präklinischen Entwicklung das Krankenbett. Gleichzeitig sind forschende Unternehmen mit begrenzten Umsatzerlösen konfrontiert – denn neu entwickelte Antibiotika sollen möglichst sparsam eingesetzt werden. Das aktuelle Geschäftsmodell für die Entwicklung neuer Antibiotika funktioniert nicht. Die Politik muss ihre Bemühungen verstärken, ein nachhaltiges Ökosystem für Innovationen sicherzustellen.

Wie gesagt: Die Instrumente sind (fast) alle da. Jetzt ist es Zeit zu handeln. Denn AMR steht für eine (noch) stille Pandemie. Wer aber will schon in einer Welt leben, in der globale Gesundheitskrisen Alltag werden – vor allem, wenn sie vermeidbar sind.

Der lange Schatten der Pandemie

Neben den direkten Folgen hat die Pandemie weitreichende indirekte Folgen für die öffentliche Gesundheit wie nicht wahrgenommene Arzttermine, nicht oder spät diagnostizierte Krankheiten, verschobene Operationen und Behandlungen aller Art.

Sprechen wir über die Pandemie, geht es in der Regel um Inzidenzen, Krankenhausbelegung, Impfquoten und Todesfälle. Wir reden über „Long-COVID“ und über psychologische, soziale und ökonomische Auswirkungen. Doch neben diesen direkten Folgen einer Infektion mit SARS-CoV-2 hat die Pandemie weitreichende indirekte Folgen für die öffentliche Gesundheit. Nicht wahrgenommene Arzttermine, nicht oder spät diagnostizierte Krankheiten, verschobene Operationen und Behandlungen aller Art – all das hat einen Einfluss auf die Gesundheit vieler Millionen Menschen weltweit, den wir bis heute nicht beziffern können. Wir ahnen nur: Er dürfte gewaltig sein. Es ist der lange Schatten der Pandemie. Er wird uns noch viele Jahre begleiten.

Deshalb lassen diese Zahlen aufhorchen: Die Verordnungen für Standardimpfungen sind in Deutschland im ersten Halbjahr 2021 um fast ein Drittel (27 Prozent) zurückgegangen. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 2,5 Millionen Impfungen weniger gegen Masern und Mumps, Keuchhusten, HP-Viren, Hepatitis B oder Pneumokokken. Nur die Zahl der Grippeimpfungen hat etwas zugelegt.

Es ist absurd: In einer Zeit, in der in Deutschland mit mehr als 100 Millionen applizierten COVID-19-Impfungen das größte Impfprogramm der Geschichte läuft, gerät ausgerechnet der Impfschutz für viele andere Erkrankungen ins Hintertreffen. Hinzu kommt: In Sachen Impfquote laufen wir dem, was medizinisch sinnvoll wäre, sowieso meist hinterher. Ein Beispiel? Nur jeder Fünfte, dem die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung gegen Pneumokokken empfiehlt, nahm diesen Schutz bisher wahr. Der Rückgang bei dieser Impfung in diesem Jahr ist von allen Indikationen am stärksten – es sind ganze 57 Prozent.

Es ist absurd: Im Schatten des größten Impfprogramms der Geschichte wächst in Deutschland eine gefährlich große Impflücke heran.

Damit entstehen Impflücken, die gravierend sein können. Und das gerade vor der beginnenden Erkältungssaison, die nach Ansicht von ExpertInnen besonders heftig ausfallen könnte. Gerade ältere, vor allem aber chronisch kranke Menschen wären dann besonders gefährdet. Grundsätzlich gilt: Wenn Millionen von Menschen Routineimpfungen nicht nachgehen, dann steigt die Krankheitslast. Was also ist zu tun?

Rückblende: Wer hätte im Frühjahr 2020 gedacht, dass in Deutschland rund ein Jahr später in Zelten und Bussen, in Einkaufszentren, öffentlichen Einrichtungen oder im eigenen Auto Impfungen angeboten werden? Dahinter steht die Rationale: Wenn die Menschen nicht zur Impfung kommen, muss die Impfung zum Menschen kommen.

Wir müssen das Impfen neu denken. Es reicht nicht, mit großem Aufwand sichere und wirksame Impfstoffe zu entwickeln. Wir brauchen auch einen Plan, wie sie bei den Menschen ankommen, die sich impfen lassen möchten. Denn nur dort können sie ihren Nutzen entfalten. Die gute Nachricht ist: Die Mehrheit der Menschen, die einen Impftermin nicht wahrnimmt, tut das nicht, weil sie dem Impfstoff misstrauen. Sie tut es, weil Impftermine nicht in ihren Alltag passen, weil die Gelegenheiten fehlen. Das aber können wir ändern: Es muss leichter werden, sich impfen zu lassen.

In Deutschland sind erste Modellprojekte angelaufen, die die Inanspruchnahme von Impfangeboten in Apotheken möglich machen. Bereits aus anderen Ländern wissen wir, dass sich mit der Einbeziehung der heilberuflichen Expertise von PharmazeutInnen Impfraten nachhaltig steigern lassen. Warum das so ist, liegt auf der Hand. Apotheken bieten ein niederschwelliges Angebot. Sie sind im ganzen Land vertreten – und haben gerade in der Pandemie ihre Kompetenz unter Beweis gestellt. Modellrechnungen zeigen: Wenn es gelingt, die Impfquoten zu steigern, hat das auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive positive Auswirkungen – etwa, weil Kranken- und Krankenhaustage wegfallen.

Impfungen sind eine der größten Errungenschaften der Medizin. Sie verhindern Krankheiten, bevor sie entstehen. Sie haben es verdient, dass wir uns kreative Gedanken machen, wie wir Menschen dazu bringen können, sich zu schützen.

Pfizer Portrait Aylin Tüzel

„Prävention ist das Fundament für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung."

„Prävention ist das Fundament für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung."

Nie war die Bedeutung von Prävention im Gesundheitswesen so sichtbar wie heute. Da erstaunt es, dass nur drei Prozent der Ausgaben im deutschen Gesundheitswesen in die Vorbeugung von Krankheiten fließen.

Keine Frage: Deutschland geht es gut – um unser Gesundheitssystem beneiden uns viele. Den Menschen steht ein dichtes Netz an ärztlichen Praxen, Apotheken, und Krankenhäusern zur Verfügung – und ein System, das viele Milliarden Euro stemmen kann, um seine Bevölkerung auf hohem Niveau gut zu versorgen. 

Schaut man genauer hin, zeigt sich: Das deutsche Gesundheitssystem ist vor allem ein guter Reparaturbetrieb. Sind Menschen krank, spielt es seine Stärken aus. Dabei müssten viele Erkrankungen bei besserer Vorbeugung gar nicht erst auftreten. Und ließen sich bei entsprechender Früherkennung teilweise auch einfacher behandeln.

Nur ein Beispiel: Expertinnen und Experten schätzen, dass in Deutschland durch intelligente Präventions- und Früherkennungskonzepte jeder zweite Krebsfall verhindert werden könnte. Das wären 250.000 Menschen pro Jahr, denen ihr Arzt, ihre Ärztin nicht sagen müsste: „Sie haben Krebs.“ 

Für mich belegt das: Wir nehmen das Thema der Krankheitsvorbeugung nicht ernst genug. Die Mittel dazu haben wir. Aber wir wenden sie nicht konsequent genug an. 

Wir tun uns schwer, Prävention – ihre Erfolge, ihre verpassten Chancen – zu beziffern. Doch nur, was man messen kann, kann man auch managen.

Da drängt sich die Frage nach dem Warum auf. Einer der Gründe ist sicher, dass wir uns schwertun, Prävention – ihre Erfolge, ihre verpassten Chancen – zu beziffern. Doch nur, was ich messen kann, kann ich auch managen. 

Das wollten wir ändern und haben deshalb zusammen mit Prof. Wolfgang Greiner und Dr. Julian Witte von der Universität Bielefeld und Springer Medizin den Präventionsindex ins Leben gerufen. Es ist der Versuch einer Bestandsaufnahme. Gleichzeitig soll er zeigen, wo es Verbesserungsbedarf gibt. Der Index, entwickelt von der Universität Bielefeld, sieht für Deutschland bei den Minimalzielen von Präventionsmaßnahmen einen Erreichungsgrad von 65 Prozent. Ein Grund, sich zurückzulehnen, ist das nicht.

Im Gegenteil - Prävention ist der Schlüssel, wie wir unser Gesundheitssystem nachhaltig absichern und zukunftsfähig machen können. Prävention ist das Fundament für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung.

Warum? Weil unsere Sozialsysteme zunehmend unter Druck geraten. Auch dazu eine Zahl: Mit einem Durchschnittsalter von 45,7 Jahren zählt die Bevölkerung Deutschlands bereits heute zu den fünf ältesten der Welt. Das aber bedeutet zwangsläufig: mehr Krankheiten. Umso wichtiger ist es, die zu vermeiden, die vermieden werden können. 

Als forschendes Pharmaunternehmen setzt sich Pfizer für die Präventionswende ein: für ein Gesundheitssystem, das Krankheiten, wo immer möglich, verhindert; das hilft Krankheiten zu überwinden oder besser mit ihnen zu leben. 

Manchmal werde ich gefragt, warum wir das tun. Wir tun das aus voller Überzeugung. Denn Gesundheit ist unser wichtigstes Gut – und viel mehr als nicht krank zu sein. Wir denken Gesundheit ganzheitlich. Und sehen, dass unser System in Zukunft mehr Ressourcen für die Therapie nicht vermeidbarer Erkrankungen brauchen wird. Wir tun das auch, weil die Prävention als ein Entwickler und Hersteller von Impfstoffen ein Teil von uns ist. 

Wir brauchen mehr Prävention. Von den vielen Lehren, die wir aus der Pandemie ziehen sollten, ist das vielleicht die wichtigste.

Prävention gehört in den Fokus aller politischen Entscheidungen. Das Thema Vorsorge reicht dabei weit über das Gesundheitssystem hinaus und muss, um nachhaltig zu sein, Bereiche wie Bildung, Arbeit, Verkehr oder Umwelt einschließen, denn auch dort wird über Gesundheit und Gesundheitschancen entschieden.

Wir brauchen ein neues Denken – weg von der „Reparatur-Mentalität“ hin zu einer konsequenten Vorbeugung. Nur dann werden wir die Herausforderungen der Zukunft meistern. Nur dann werden auch kommende Generationen von einem Gesundheitssystem profitieren können, wie wir es heute kennen. 

Von den vielen Lehren, die wir aus der COVID-19-Pandemie ziehen sollten, ist das vielleicht die wichtigste.

Weitere Informationen zum Thema: Gesundheitsvorsorge der Zukunft (aerztezeitung.de).

„Antimikrobielle Resistenzen: Wenn lebenswichtige Medikamente wirkungslos werden.“

Antimikrobielle Resistenzen (AMR) sind eine gewaltige gesundheitliche Herausforderung. Sie kann jeden von uns treffen, in jedem Land, in jedem Alter. Was zur Disposition steht? Nicht weniger als die Errungenschaften der modernen Medizin.

Manchmal sind wir Menschen Meister im Wegschauen. Wir blenden dann aus, wo eigentlich energisches Handeln notwendig wäre. Beispiele? Die Klimakrise, vor der renommierte Wissenschaftler schon seit den 1970er Jahren gewarnt haben. Oder die aktuelle Pandemie. Trotz der beeindruckenden Tatsache, dass sich die Wissenschaft gerade selbst überflügelt, hätten wir vieles besser vorbereiten können. Denn die Frage war nicht, ob eine Pandemie kommt, sondern wann. Pandemien sind ein Teil der Menschheitsgeschichte.

Gesundheitskrisen gibt es mehr, als uns das in Europa klar ist. Darauf hat die Weltgesundheitsorganisation kürzlich erst aufmerksam gemacht (nachzulesen in „Gesundheitskrisen, von denen Du in 2020 nicht gehört hast“). Es waren 60 an der Zahl, bei denen die WHO interveniert hat – von einem Ausbruch durch das Chikungunya-Virus im Tschad, über Gelbfieber-Epidemien in Gabun und Togo, bis hin zu Masern-Ausbrüchen in Mexiko. Weit weg? Dass uns diese Krisen nicht egal sein können – auch das hat uns gerade das SARS-CoV-2-Virus beigebracht. Viren kennen keine Grenzen.

AMR: Wenn eigentlich wirksame Arzneimittel unwirksam werden

Das gilt auch für Bakterien, Pilze und Parasiten. Lange Zeit dachte die Menschheit, sie hätte das Thema antimikrobielle Resistenzen (antimicrobial resistance, kurz: AMR) fest im Griff. Heute wissen wir: Das war ein Irrtum.

AMR haben zur Folge, dass eigentlich wirksame Arzneimittel unwirksam werden. Denn Krankheitserreger sind wahre Verwandlungskünstler. In ihrem Kampf ums Überleben lassen sie sich so schnell nicht kleinkriegen. Das ist ein Gesetz der Biologie. Der Rest ist menschengemacht. So werden beispielsweise Antibiotika wirkungslos, weil sie zu oft und oft falsch eingesetzt werden (auch in der Tiermast), bzw. weil Bakterien lernen, zu überleben. Niedrige Impfraten begünstigen das Problem – etwa, wenn Grippe-Patienten ins Krankenhaus müssen und sich dort dem Risiko multiresistenter Keime aussetzen, oder wenn Infektionen, die durch Impfungen vermeidbar gewesen wären, mit Antibiotika behandelt werden müssen.

Was zur Disposition steht? Nicht weniger als die Errungenschaften der modernen Medizin.

AMR sind eine gewaltige gesundheitliche Herausforderung. Sie kann jeden von uns treffen, in jedem Land, in jedem Alter. Was zur Disposition steht? Nicht weniger als die Errungenschaften der modernen Medizin. Antiinfektiva haben die komplexe Chirurgie, wie wir sie heute kennen, überhaupt erst sicher und möglich gemacht, zum Beispiel Eingriffe, bei denen das Immunsystem unterdrückt werden muss. Dank anti-infektiver Therapien können wir kleine Infektionen behandeln und größere Erkrankungen auskurieren.

Die forschende pharmazeutische Industrie hat mit der Gründung des AMR Action Fund einen wichtigen Schritt getan. Das Ziel: zwei bis vier neue Antibiotika bis 2030. Dazu haben sich mehr als zwanzig Pharmaunternehmen, Stiftungen und die Europäische Entwicklungsbank zusammengetan und investieren eine Milliarde Euro, um die Forschung zu unterstützen und um jungen Biotech-Firmen unter die Arme zu greifen. Das ist wichtig, denn für neue Antibiotika gibt es kein funktionierendes Geschäftsmodell. Sind sie entwickelt, was aufwändig und wirtschaftlich riskant ist, sollen sie möglichst nicht eingesetzt werden, solange sie nicht wirklich gebraucht werden. So genannte Reserveantibiotika helfen beim Zeit gewinnen; den entwickelnden Unternehmen helfen sie nicht, denn im Grunde heißt das: „Entwickelt bitte etwas, aber verkauft es nicht.“ Auch deswegen haben bereits viele Unternehmen aufgegeben – obwohl sie vielversprechende Wirkstoffe in der Pipeline hatten.

AMR – eine gigantische Herausforderung

AMR sind eine gigantische Herausforderung – für die Wissenschaft und Medizin, für die öffentliche Gesundheit, für die Wirtschaft und für Unternehmen wie uns. Auch wenn ein Umdenken bereits stattfindet: Wir müssen jetzt und entschiedener handeln. Niemand kann das Problem allein lösen. Vielleicht können wir auch hier aus der Covid-19-Krise lernen: Wir müssen die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, wissenschaftlichen Instituten und den forschenden Unternehmen vertiefen. Initiativen wie der Aktionsfonds gegen antimikrobielle Resistenzen sind genau das, was wir jetzt brauchen. Nur gemeinsam können wir der Herausforderung begegnen.

Auch wenn Covid-19 gerade all unsere Energie erfordert: Wir müssen die Herausforderung durch Arzneimittelresistenzen genauso ernst nehmen. Wir müssen heute handeln, um auf morgen vorbereitet zu sein. Denn eine Zeit, in der Medikamente gegen Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten nicht mehr helfen, ist etwas, das wir nicht erleben wollen.

„Wir müssen nachsitzen im Fach Prävention. Wir müssen unser Gesundheitssystem stärker auf Vorsorge trimmen.“

Bessere Krankheitsvorsorge hat viel mit persönlicher Verantwortung zu tun. Aber eine erfolgreiche Prävention ist mehr. Sie ist auch eine Systemfrage.

Die Corona-Pandemie macht etwas mit uns. Wir denken zum Beispiel intensiver über unsere Ernährung nach – lokale Biomärkte haben ungeahnten Zulauf. Wir werden gesundheitsbewusster. Das belegt unsere repräsentative Umfrage, bei der fast jeder Zweite erklärt hat, dass er Präventionsmaßnahmen für wichtiger hält als vor der Pandemie. Doch wie retten wir die guten Vorsätze in eine Zeit danach? 

Natürlich: Bessere Krankheitsvorsorge hat viel mit persönlicher Verantwortung zu tun. Aber eine erfolgreiche Prävention ist mehr. Sie muss an vielen Stellschrauben drehen. Sie ist auch eine Systemfrage.

Wir brauchen eine Präventionswende

Wir müssen Nachsitzen im Fach Prävention. Wir müssen unser Gesundheitssystem stärker auf Vorsorge trimmen. Mehr als jeder Dritte Krebsfall könnte durch Vorsorgeprogramme verhindert werden. Intelligente Nutzung von Gesundheitsdaten kann Krankheitsrisiken erkennen, lange bevor der „Reparaturbetrieb Gesundheitswesen“ angeworfen werden muss. In der Primärprävention – dem Impfen – brauchen wir Initiativen und Programme. Dass sie funktionieren, zeigen uns viele Beispiele aus anderen Ländern. Gerade beim Impfen laufen wir den Möglichkeiten hinterher. Die Masern ausrotten? Mehrmals verschoben. Die Impfraten der Risikogruppen bei Grippe oder Pneumokokken? Teilweise erschreckend niedrig.

Die Menschen spüren, dass sie sich besser schützen könnten. Aber 37 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bessere Informationen über Vorsorgemaßnahmen wünschen, 27 Prozent finden entsprechende Bonusprogramme ihrer Krankenkasse interessant. Und man zeigt sich offen für neue Wege: Jeder Vierte würde eine Präventions-App nutzen und jeder Fünfte gibt an, zusätzliche Angebote von Apotheken in Anspruch nehmen zu wollen.

Krankheitsvorsorge muss selbstverständlich werden. Sie muss sich in den Alltag der Menschen integrieren; einfacher werden. Mit Initiativen, die Hürden abbauen, kann die Wende zu einem nachhaltigeren und vorsorgefreundlicheren Gesundheitssystem geschafft werden.

Martin Fensch während er spricht

„Das Gesundheitswesen als Reparaturbetrieb – das reicht nicht mehr. Doch in Sachen Prävention passiert (zu) wenig.“

„Das Gesundheitswesen als Reparaturbetrieb – das reicht nicht mehr. Doch in Sachen Prävention passiert (zu) wenig.“

Beispiel Impfraten: Wohin man schaut, verpassen wir wichtige Impfziele; sei es bei Grippe oder bei Masern.
28 % der Deutschen fühlen sich nicht ausreichend über Impfungen informiert.

Krisen sind immer auch Chancen, heißt es in Zeiten wie diesen gerne. Ich mag diesen Satz nicht besonders. Er suggeriert, dass wir immer erst eine veritable Krise brauchen, um zu sehen was gut läuft und was nicht. Krisen sind wie ein Brennglas? Da gehe ich mit. Sie sind ein – manchmal auch brutaler – Realitätscheck. Sie zeigen auf, ob wir die Zeiten vor einer Krise gut genutzt haben.

Deutschland ist im Vergleich zu den meisten anderen Ländern bisher relativ gut durch die Pandemie gekommen. Dafür gibt es viele Gründe. Das deutsche Gesundheitssystem hat sich als robuster erwiesen, als viele vor der Pandemie gedacht haben. Wir können uns auf die vielen Menschen, die deutschlandweit in Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, in der Forschung von Kliniken, Instituten und Unternehmen tätig sind, verlassen.

Nachholbedarf in Sachen Prävention

Das ist ein beruhigendes Gefühl – das die Mehrheit der Deutschen teilt. Fast 80 Prozent haben in einer von uns initiierten Umfrage angegeben, dass unser Gesundheitssystem gut darin ist, Krankheiten zu behandeln. Aber nur 58 Prozent glauben, dass es auch gut darin ist, Krankheiten zu vermeiden, bevor sie entstehen.

Eine Lehre aus dieser Pandemie ist: Das Gesundheitswesen als Reparaturbetrieb – das reicht nicht mehr. Doch in Sachen Prävention passiert (zu) wenig. Beispiel Impfraten: Wohin man schaut, verpassen wir wichtige Impfziele; sei es bei Grippe oder bei Masern. Pneumokokken-Impfstoffe, die schwere Lungenentzündungen vermeiden können, wurden vor Beginn der Pandemie nur von 4,4 Prozent der Risikogruppe genutzt.

Fast jeder Dritte hat in unserer Umfrage angegeben, sich nicht ausreichend darüber informiert zu fühlen, welche Impfungen er benötigt. Was ist schon alles versucht worden: vom Appell ans soziale Gewissen über den erhobenen Zeigefinger – nur genutzt hat es wenig. Mein Vorschlag: Basierend auf den entsprechenden wissenschaftlichen Studien und unter Vermeidung von Emotionen sachliche, gut strukturierte, nachvollziehbare Informationen anbieten, wie, wann, was, warum geimpft werden sollte – auch als Gegengewicht zu den vielen in den Sozialen Medien kursierenden Falschinformationen. Impfen muss einfacher werden.

Höhere Impfraten sind zwar nicht der einzige, aber doch ein entscheidender Baustein für die Zukunft. Hier müssen wir endlich vorankommen, um auf die nächste Pandemie besser vorbereitet zu sein.