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Prävention

„Wir müssen nachsitzen im Fach Prävention. Wir müssen unser Gesundheitssystem stärker auf Vorsorge trimmen.“

Bessere Krankheitsvorsorge hat viel mit persönlicher Verantwortung zu tun. Aber eine erfolgreiche Prävention ist mehr. Sie ist auch eine Systemfrage.

Die Corona-Pandemie macht etwas mit uns. Wir denken zum Beispiel intensiver über unsere Ernährung nach – lokale Biomärkte haben ungeahnten Zulauf. Wir werden gesundheitsbewusster. Das belegt unsere repräsentative Umfrage, bei der fast jeder Zweite erklärt hat, dass er Präventionsmaßnahmen für wichtiger hält als vor der Pandemie. Doch wie retten wir die guten Vorsätze in eine Zeit danach? 

Natürlich: Bessere Krankheitsvorsorge hat viel mit persönlicher Verantwortung zu tun. Aber eine erfolgreiche Prävention ist mehr. Sie muss an vielen Stellschrauben drehen. Sie ist auch eine Systemfrage.

Wir brauchen eine Präventionswende

Wir müssen Nachsitzen im Fach Prävention. Wir müssen unser Gesundheitssystem stärker auf Vorsorge trimmen. Mehr als jeder Dritte Krebsfall könnte durch Vorsorgeprogramme verhindert werden. Intelligente Nutzung von Gesundheitsdaten kann Krankheitsrisiken erkennen, lange bevor der „Reparaturbetrieb Gesundheitswesen“ angeworfen werden muss. In der Primärprävention – dem Impfen – brauchen wir Initiativen und Programme. Dass sie funktionieren, zeigen uns viele Beispiele aus anderen Ländern. Gerade beim Impfen laufen wir den Möglichkeiten hinterher. Die Masern ausrotten? Mehrmals verschoben. Die Impfraten der Risikogruppen bei Grippe oder Pneumokokken? Teilweise erschreckend niedrig.

Die Menschen spüren, dass sie sich besser schützen könnten. Aber 37 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bessere Informationen über Vorsorgemaßnahmen wünschen, 27 Prozent finden entsprechende Bonusprogramme ihrer Krankenkasse interessant. Und man zeigt sich offen für neue Wege: Jeder Vierte würde eine Präventions-App nutzen und jeder Fünfte gibt an, zusätzliche Angebote von Apotheken in Anspruch nehmen zu wollen.

Krankheitsvorsorge muss selbstverständlich werden. Sie muss sich in den Alltag der Menschen integrieren; einfacher werden. Mit Initiativen, die Hürden abbauen, kann die Wende zu einem nachhaltigeren und vorsorgefreundlicheren Gesundheitssystem geschafft werden.

Martin Fensch während er spricht

„Das Gesundheitswesen als Reparaturbetrieb – das reicht nicht mehr. Doch in Sachen Prävention passiert (zu) wenig.“

„Das Gesundheitswesen als Reparaturbetrieb – das reicht nicht mehr. Doch in Sachen Prävention passiert (zu) wenig.“

Beispiel Impfraten: Wohin man schaut, verpassen wir wichtige Impfziele; sei es bei Grippe oder bei Masern.
28 % der Deutschen fühlen sich nicht ausreichend über Impfungen informiert.

Krisen sind immer auch Chancen, heißt es in Zeiten wie diesen gerne. Ich mag diesen Satz nicht besonders. Er suggeriert, dass wir immer erst eine veritable Krise brauchen, um zu sehen was gut läuft und was nicht. Krisen sind wie ein Brennglas? Da gehe ich mit. Sie sind ein – manchmal auch brutaler – Realitätscheck. Sie zeigen auf, ob wir die Zeiten vor einer Krise gut genutzt haben.

Deutschland ist im Vergleich zu den meisten anderen Ländern bisher relativ gut durch die Pandemie gekommen. Dafür gibt es viele Gründe. Das deutsche Gesundheitssystem hat sich als robuster erwiesen, als viele vor der Pandemie gedacht haben. Wir können uns auf die vielen Menschen, die deutschlandweit in Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, in der Forschung von Kliniken, Instituten und Unternehmen tätig sind, verlassen.

Nachholbedarf in Sachen Prävention

Das ist ein beruhigendes Gefühl – das die Mehrheit der Deutschen teilt. Fast 80 Prozent haben in einer von uns initiierten Umfrage angegeben, dass unser Gesundheitssystem gut darin ist, Krankheiten zu behandeln. Aber nur 58 Prozent glauben, dass es auch gut darin ist, Krankheiten zu vermeiden, bevor sie entstehen.

Eine Lehre aus dieser Pandemie ist: Das Gesundheitswesen als Reparaturbetrieb – das reicht nicht mehr. Doch in Sachen Prävention passiert (zu) wenig. Beispiel Impfraten: Wohin man schaut, verpassen wir wichtige Impfziele; sei es bei Grippe oder bei Masern. Pneumokokken-Impfstoffe, die schwere Lungenentzündungen vermeiden können, wurden vor Beginn der Pandemie nur von 4,4 Prozent der Risikogruppe genutzt.

Fast jeder Dritte hat in unserer Umfrage angegeben, sich nicht ausreichend darüber informiert zu fühlen, welche Impfungen er benötigt. Was ist schon alles versucht worden: vom Appell ans soziale Gewissen über den erhobenen Zeigefinger – nur genutzt hat es wenig. Mein Vorschlag: Basierend auf den entsprechenden wissenschaftlichen Studien und unter Vermeidung von Emotionen sachliche, gut strukturierte, nachvollziehbare Informationen anbieten, wie, wann, was, warum geimpft werden sollte – auch als Gegengewicht zu den vielen in den Sozialen Medien kursierenden Falschinformationen. Impfen muss einfacher werden.

Höhere Impfraten sind zwar nicht der einzige, aber doch ein entscheidender Baustein für die Zukunft. Hier müssen wir endlich vorankommen, um auf die nächste Pandemie besser vorbereitet zu sein.