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HomeNewsroomNews & StoriesImpfhürden abbauen und umfassender informieren„Impfhürden abbauen und umfassender informieren“

Impfungen bewahren uns heute vor vielen Krankheiten, die noch bis ins 20. Jahrhundert ein großes Problem waren. Gleichwohl hält sich auch die Skepsis. Woran das liegt und was sich dagegen tun lässt, erläutert Prof. Dr. med. Christof von Eiff, Leiter der Medizinischen Abteilung Impfstoffe bei Pfizer in Deutschland.

Das Thema Impfungen polarisiert. Warum?

Aus meiner Sicht werden Wirksamkeit und Nutzen der Impfungen häufig unterschätzt und die Bedeutung der Nebenwirkungen überschätzt. Die Mythen zum Thema Impfungen sind so alt wie die Impfungen selbst. Als Edward Jenner einen Impfstoff gegen Pocken entwickelte, druckten die Zeitungen Spottbilder, auf denen sich Patient:innen nach der Behandlung in Kühe verwandelten. Jenner hatte beobachtet, dass Menschen, die mit Rindern arbeiten und an Kuhpocken erkranken, immun gegenüber den echten Pocken waren. Daraufhin führte er die erste Pockenschutzimpfung durch, die auf Basis von Kuhpocken entwickelt wurde – daher kommt übrigens der Begriff für die Impfung: Vakzin oder Vakzination (von „Vacca“, lateinisch für Kuh).

Pocken galten als „schwarzer Tod“ und sind heute dank Impfungen ausgerottet. Genauso wie viele andere Erkrankungen …

Infektionskrankheiten gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen und sind nach wie vor eine große Bedrohung für die Gesundheit der Menschen. In den letzten Jahren sind die Forschung und Entwicklung neuer Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten aber rasant vorangeschritten: Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein konnte man gegen viele fürchterliche, teils tödliche Erreger nichts tun. Denken Sie beispielsweise an Diphtherie, Wundstarrkrampf oder die Kinderlähmung. Inzwischen sind dank der Impfung die Pocken ausgerottet. Wir haben aber auch eine substanzielle Reduktion von Polio-, Tetanus- und Diphtherie-Fällen beobachten können und konnten jüngst die COVID-19-Pandemie auf eine Endemie eingrenzen. Impfungen sind neben Antibiotika die wohl erfolgreichste Entwicklung der modernen Medizin und ohne Frage ein Eckpfeiler der „Öffentlichen Gesundheit“.

Warum hält sich die Skepsis gegenüber Impfungen trotzdem?

Offenbar fällt es manchen Menschen schwer, sich impfen zu lassen, obwohl bzw. weil sie gesund sind. Das ist anders als bei einem Medikament, das man erst im Krankheitsfall einnimmt. Sicherlich unterschätzen auch viele die Risiken einer Infektion: sie gehen davon aus, dass es sie persönlich gar nicht oder nicht so schwer trifft. Doch das kann ein fataler Irrtum sein, auch wenn man vorher keine Grunderkrankung hatte. Eine Meningokokken-Infektion kann beispielsweise innerhalb von weniger als drei Tagen zum Tod führen, vor allem bei Kindern, auch wenn eine Antibiotikatherapie relativ frühzeitig gestartet wurde. Ein anderes Beispiel ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Hier gibt es keine zielgerichtete antivirale Therapie. Nur eine Impfung kann diese Erkrankung wirksam verhindern. Die therapeutischen Maßnahmen nach Beginn einer Infektion sind nicht selten limitiert.

Je mehr Menschen geimpft sind, desto besser für jene, die es nicht sind, das ist die Herdenimmunität. Haben Sie ein Beispiel für solche Effekte aus unserer Zeit?

Nach Einführung des 13-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs bei Kindern sanken auch die Infektionsfälle bei Erwachsenen, weil die Pneumokokken seltener übertragen wurden. Gleichzeitig verbesserte sich durch die Impfung die Lage der Kinder signifikant: Lungenentzündungen jeglicher Ursache konnten um bis zu ca. 50 Prozent reduziert werden und akute Mittelohrentzündungen jeglicher Ursache um bis zu ca. 60 Prozent. Die besonders schwer verlaufenden invasiven Pneumokokken-Infektionen, d.h. die sogenannten Blutvergiftungen (Sepsis) und Hirnhautentzündungen (Meningitis), die durch Pneumokokken verursacht werden, sind sogar um bis zu ca. 80 Prozent zurückgegangen.

Die Herdenimmunität ist also ein wichtiger Effekt von einigen Impfungen. Wobei man auch sagen muss: Nicht jeder, der sich nicht impfen lässt, hat etwas gegen Impfungen einzuwenden. In den meisten Fällen wird diese Form des Schutzes einfach „vergessen“ oder kostet Menschen scheinbar zu viel Zeit. Wir bräuchten einen weiteren Ausbau der Erinnerungssysteme bei den behandelnden Ärzt:innen und sollten den elektronischen Impfpass schneller einführen.

Eine häufig genannte Sorge ist die Befürchtung, dass Impfungen nicht sicher seien. Wie bewerten Sie das mit Blick auf den Zulassungsprozess?

Wie alle Arzneimittel werden auch Impfstoffe zunächst umfassend präklinisch getestet. Anschließend werden sie in mehreren klinischen, überwiegend randomisierten, doppelt-verblindeten und Placebo-kontrollierten Studien an einer zunehmenden Zahl von Freiwilligen getestet. Diese Studien helfen nachzuweisen, wie die Impfstoffe funktionieren, dass sie wirksam und sicher sind und dass ihr Nutzen größer ist als etwaige Nebenwirkungen oder Risiken. So ist der Zulassungsprozess bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) entsprechend vielschichtig. Dort übernimmt der Ausschuss für Human-Arzneimittel (CHMP) die wissenschaftliche Bewertung, natürlich mit besonderem Fokus auf die Sicherheit. Der Ausschuss ist mit unabhängigen Expert:innen aus allen Zulassungsbehörden der EU-Mitgliedsstaaten besetzt. Im Fall einer Zulassung wird die dazugehörige Datengrundlage übrigens im „European Public Assessment Report“ veröffentlicht.

Und die Sorge vor Nebenwirkungen?

Nach Impfungen können auch Nebenwirkungen auftreten, allerdings sind sie häufig nur lokal und zeitlich begrenzt. Ärzt:innen in Deutschland sind verpflichtet Verdachtsfälle auf Impfkomplikationen beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zu melden. Durch das gut etablierte Meldesystem erkennen wir hierzulande auch sehr seltene Nebenwirkungen. In den sozialen Medien wird das dann leider oft als „Nachweis“ dafür referenziert, dass die Risiken von Impfungen nicht kalkulierbar seien. Es ist jedoch ein Trugschluss zu meinen, dass dies ein Zeichen fehlender Überwachung sei. Im Gegenteil, gerade die Tatsache, dass sehr seltene unerwünschte Wirkungen und Komplikationen so genau und umgehend erfasst und vom PEI analysiert werden, zeigt, wie ernst das Thema der Impfstoffsicherheit von allen Beteiligten genommen wird.

Der Großteil der verfügbaren Impfungen wird explizit von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Wie kommt es zu solch einer Impfempfehlung?

Grundlagen einer STIKO-Impfempfehlung sind neben der Bewertung von Daten zur Krankheitslast insbesondere systematische Literaturrecherchen – bei der die weltweit existierende Literatur zum jeweiligen Thema gesichtet und bewertet wird – Modellierungen sowie Evidenzbewertungen zur Sicherheit und zur Wirksamkeit der Impfung. Diese Evaluation hat in der Vergangenheit bei neuen Impfstoffen in der Regel mehrere Jahre gedauert. Bevor die STIKO ihren Entschluss trifft, können Fachkreise im Rahmen eines „Stellungnahmeverfahrens“ auch Anmerkungen einbringen. Die wissenschaftliche Begründung für die jeweilige Entscheidung der STIKO wird übrigens auch veröffentlicht.

Sie sprachen vorher davon, dass Menschen im Alltag oft einfach nicht an Impfungen denken oder es ihnen zu kompliziert ist. Was könnte den Zugang erleichtern?

Wir brauchen niedrigschwellige Angebote, etwa durch Impfungen in Apotheken. Bislang dürfen Apotheker:innen in Deutschland nach entsprechender Schulung gegen COVID-19 und Influenza impfen. In Apotheken sollten – wie heute auch zum Beispiel schon in Frankreich – alle Totimpfstoffe verimpft werden dürfen. Zudem können u.a. „Impfzentren vor Ort“ wie Impfbusse oder zum Beispiel Impftage in Sportvereinen oder auch bei der Freiwilligen Feuerwehr einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Impfquoten leisten. Wir müssen Hürden abbauen und die Menschen noch umfassender informieren.

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Zur Person:

Prof. Dr. med. Christof von Eiff
Leiter der Medizinischen Abteilung Impfstoffe bei Pfizer in Deutschland

Prof. Dr. med. Christof von Eiff ist seit 2010 bei der Pfizer Pharma GmbH und leitet seitdem die Medizinische Abteilung Impfstoffe. Er studierte Medizin an den Universitäten Bonn und Freiburg und bekam 1989 den Grad zum Dr. med. verliehen. Von 1988 bis 1992 war er Assistenzarzt an der Kinderklinik der Stadt Köln und Stipendiat der DFG an der Universität zu Köln. Die Facharztanerkennung „Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie“ erlangte er im Jahr 2000. 2001 bis 2009 war er als leitender Oberarzt am Institut für Medizinische Mikrobiologie an der Universität in Münster tätig.

Quellen und Links

Angehörige der medizinischen Fachkreise finden hier den vollständigen Artikel von Prof. Dr. med. Christof von Eiff: VERLINKUNG (sobald vorhanden)

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