Sebastian Zirfas, Head of Policy & Public Affairs (© Pfizer)
Das Arsenal der Krebstherapien ist so groß wie nie. Das liegt auch daran, dass sich Tumore genetisch und molekular immer genauer charakterisieren lassen. Entsprechend vielfältig sind die therapeutischen Angriffspunkte: Zur Strahlen- und Chemotherapie sind über die Jahre viele Therapieoptionen hinzugekommen. Welche Therapieformen gibt es heute in der Krebsmedizin?
Dr. med. Christian Lenz ist seit Januar 2024 Medizinischer Direktor von Pfizer Deutschland. In dieser Rolle leitet er die medizinisch wissenschaftliche Abteilung für alle Therapiebereiche und ist Mitglied der Geschäftsführung. Christian Lenz hat Humanmedizin in Heidelberg studiert und erwarb einen Master of Science in pharmazeutischer Medizin in Dublin und Harvard. Seit er 2002 zu Pfizer kam, hatte er eine Reihe lokaler, regionaler und globaler Führungspositionen im Bereich Medical Affairs, Health Economics & Outcomes Research und Market Access in verschiedenen Therapiegebieten inne.
Strahlentherapie: Hochenergetische Strahlen schädigen die DNA der Tumorzellen so stark, dass sie sich nicht mehr teilen können. Dabei visiert man die Tumore dank moderner Bildgebung millimetergenau an, auch in beweglichen Organen wie Bauchspeicheldrüse oder Prostata. Neu sind Radioliganden-Therapien: Ein radioaktiver Stoff wird im Labor an ein Molekül gekoppelt, das gezielt an Krebszellen bindet. Die Strahlungsquelle wird so direkt zum Tumor transportiert.
Chemotherapie: ‚Chemo‘ blockiert die Zellteilung, wirkt aber nicht nur auf Krebszellen, sondern auch auf gesunde, sich schnell teilende Zellen wie Haarwurzeln. Das erklärt die Nebenwirkungen. Heute wird die Dosierung allerdings individueller angepasst und Begleitmedikamente lindern Übelkeit oder Entzündungen.
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate: ADCs (engl.: Antibody Drug Conjugates) nutzen im Labor hergestellte Antikörper als ‘Taxi’ für eine chemotherapeutische Substanz: Sie erkennen Krebszellen über Oberflächenmoleküle und bringen das Zellgift direkt dorthin, jedoch fast nicht zu gesunden Zellen. Dadurch sind höhere Dosierungen mit weniger Nebenwirkungen möglich.
Tumore entstehen durch fehlerhafte Signalwege in den Zellen, etwa durch dauerhaft aktivierte oder blockierte Proteine. Zielgerichtete Therapien setzen genau hier an: Sie unterdrücken Wachstumssignale, hemmen Reparaturmechanismen von Krebszellen oder verhindern die Neubildung von Blutgefäßen, die den Tumor versorgen.
Man unterscheidet zielgerichtete Behandlungen mit kleinen Molekülen, die auf und in der Zelle wirken können und Antikörper, die größer sind und an der Zelloberfläche angreifen.
Voraussetzung für eine zielgerichtete Behandlung ist häufig eine molekulare Diagnostik, damit man weiß, welche Proteine das Krebswachstum vorantreiben. So lassen sich inzwischen bei mehreren Krebsarten viele Lebensjahre dazu gewinnen. Nachteil: Die Wirkung hält nur begrenzt, weil die Krebszellen resistent werden. Und auch diese Medikamente haben Nebenwirkungen.
Eine der größten Herausforderungen der Krebsmedizin: Tumore legen nicht nur das Immunsystem lahm, sondern sie können es manchmal sogar für ihre Zwecke einspannen. Neue Immuntherapien sorgen dafür, dass die körpereigene Abwehr Krebszellen wieder als ‚Feind‘ erkennt.
Checkpoint-Inhibitoren: Unser Immunsystem wacht mit so genannten Immun-Checkpoints darüber, dass unsere T-Zellen – eine Spezialeinheit unserer Abwehr – nicht zu stark reagieren und gesundes Gewebe schädigen. Tumorzellen können diese Checkpoints gezielt aktivieren und sich so vor dem Angriff der T-Zellen verstecken. Das kann man verhindern, indem man Checkpoint-Hemmer injiziert, Moleküle, welche die T-Zellbremse wieder lösen.
Bispezifische Antikörper kann man sich Y-förmig vorstellen. Sie werden im Labor hergestellt und dann gespritzt: Mit einem ‚Ärmchen‘ docken sie an eine Krebszelle, mit dem anderen an eine T-Zelle an. Die körpereigene Abwehrzelle wird also direkt an die Tumorzelle ‚herangezogen‘ und zerstört sie.
CAR-T-Zellen: Körpereigene T-Zellen werden im Labor so bearbeitet, dass sie – in den Körper zurückgespritzt – zielgenau ein bestimmtes Molekül auf den Tumorzellen ansteuern und sie zerstören. Bislang funktioniert das für einige Formen von Blut- und Lymphdrüsenkrebs. Für feste Tumore laufen erste Studien.
Tumorinfiltrierende Lymphozyten (TILs) sind Immunzellen, die aus dem Blutkreislauf in Tumorgewebe einwandern. Sie gelten als Zeichen dafür, dass das Immunsystem aktiv versucht, den Tumor zu bekämpfen. Man kann also aus Tumorgewebe TILs isolieren, im Labor vermehren und sie anschließend auf ihre Anti-Krebs-Aktivität testen. Die aktivsten Zelllinien werden wieder gespritzt. Erste Patient:innen wurden bereits im Rahmen von klinischen Studien so behandelt.
mRNA-Impfstoffe: Ein mRNA-Impfstoff gegen Krebs enthält einen Bauplan, der dem Immunsystem zeigt, wie bestimmte Merkmale von Krebszellen aussehen. Der Körper lernt dadurch, diese Merkmale zu erkennen und gezielt Krebszellen anzugreifen. Das Prinzip ist das Gleiche wie bei der Corona-Impfung, nur dass man nicht mit einem Protein aus einem Virus, sondern mit Proteinen von Tumorzellen arbeitet. Zahlreiche klinische Studien laufen.
Pfizer in der Onkologie: unser Engagement gegen Krebs
Pfizer möchte die Überlebensraten bei einigen der gefährlichsten Krebsarten bis 2040 verdoppeln. Stand Januar 2026 laufen 56 Forschungsprogramme zu verschiedenen Krebsarten wie Brust-, Lungen-, Blut- oder Urogenitalkrebs. Bis 2030 will das forschende Pharmaunternehmen die Zahl der Patient:innen in seinen klinischen Krebsstudien in Deutschland verdreifachen. So sollen deutlich mehr Menschen als bisher den Zugang zu innovativen Therapien erhalten.
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